KARPFENTEICH

Der Tabakkonsum geht in Berlin weiter zurück. Sowohl Rauchen als auch starkes Rauchen ist in der Berliner Bevölkerung im Vergleich zu 1990 weiterhin stark rückläufig. Ebenso zeigt sich, dass im Vergleich zu 1995 inzwischen weniger und nicht mehr so riskant getrunken wird. Allerdings nimmt der Konsum illegaler Drogen weiterhin zu. Dies betrifft vor allem den Konsum von Cannabis in der Altersgruppe der 15 – 39-Jährigen.

Diese Ergebnisse liefert der neue „Epidemiologische Suchtsurvey – Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen bei Jugendlichen und Erwachsenen 2012 in Berlin“. Der Epidemiologische Suchtsurvey bei Jugendlichen und Erwachsenen wird in Deutschland alle drei Jahre vom IFT Institut für Therapieforschung in München durchgeführt. Seit 1990 beteiligt sich Berlin etwa alle sechs Jahre an der Umfrage mit einer Aufstockung der Stichproben und erhält so zuverlässige Daten über den Konsum illegaler Drogen, Alkohol, Tabak und Medikamenten in der Stadt. Die Befragung umfasst die Altersgruppen der 15 – 64-Jährigen.

Zum Tabakkonsum: Rauchen und starkes Rauchen sind generell rückläufig. Von den befragten Berlinerinnen und Berliner rauchten insgesamt 33,9 %. Dabei gaben 39,2 % der Männer und 28,4 % der Frauen an, im letzten Monat geraucht zu haben. Eine Nikotinabhängigkeit wurde bei 13,9 % der 15- bis 64-Jährigen geschätzt. Seit 1990 zeigen sich signifikante Rückgänge in der 30-Tage-Prävalenz des Rauchens in fast allen Altersgruppen, insbesondere in der Altersgruppe der 15- bis 39-Jährigen. Hier kam es gegenüber 1990 insgesamt zu einer deutlichen Abnahme von 50,9 % auf 34,3 %.

Alkoholkonsum ist in der Berliner Bevölkerung weit verbreitet. Nur 4,6 % der Befragten haben bislang noch keinen Alkohol getrunken. 7,9 % hatten zwar Alkoholerfahrung, lebten aber im letzten Jahr vor der Erhebung abstinent. Die Mehrheit der 15- bis 64-Jährigen berichtete von einer durchschnittlichen Konsummenge, die nicht als riskant gilt. Riskanter Alkoholkonsum ist in Berlin aber weiter verbreitet als in Gesamtdeutschland. Riskant bedeutet einen täglichen Konsum von durchschnittlich mehr als 24 g Reinalkohol für Männer und 12 g Reinalkohol für Frauen. Die hohe Prävalenz eines problematischen Konsums betrifft mittlerweile mehr Frauen (19,5 %) als Männer (16,8 %). Insgesamt 5,4 % der Befragten trinken Alkohol missbräuchlich, 3,6 % sind alkoholabhängig.

Während es zwischen 1995 und 2006 zu einem Anstieg des Rauschtrinkens (fünf oder mehr alkoholische Getränke am Tag) in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen kam, scheint dieser Trend gestoppt. Das trifft auch für die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen zu. Generell haben mehr als ein Drittel der Alkoholkonsumenten in der Zeit der Befragung die Kriterien des Rauschtrinkens erfüllt.

Zu illegalen Drogen: 42,5 % aller Befragten Berlinerinnen und Berliner hatten Erfahrungen mit illegalen Drogen. Etwa jede Zehnte (12,2 %) gab an, in den vergangenen zwölf Monaten illegale Drogen konsumiert zu haben und 5,9 % in den letzten 30 Tagen. Die am weitesten verbreitete illegale Droge ist nach wie vor Cannabis. Außer bei Cannabis und Kokain liegt die Verbreitung von anderen illegalen Drogen bei unter 2 %. Für etwa 0,8 % der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung wurde eine Cannabisabhängigkeit, für 1,2 % ein Cannabismissbrauch geschätzt.

In den Erhebungen von 1990 und 1995 berichtete etwa jeder Fünfte der Befragten im Alter von 15 bis 39 Jahren von Erfahrungen mit illegalen Drogen. 2012 waren es schon 55,7 %. D.h. über die Hälfte aller befragten 15- bis 39-Jährigen gab an, mindestens einmal im Leben illegale Drogen konsumiert zu haben. Die Lebenszeitprävalenz des Konsums von Amphetaminen ist in der Altersgruppe der 15 bis 39-Jährigen signifikant gestiegen (1995: 5,2 %; 2012: 10,2 %). Dagegen ist die 12-Monats-Prävalenz des Konsums von Ecstasy zwischen 1995 und 2012 deutlich gesunken (5,1 % vs. 2,6 %).

Fazit:
Die Ergebnisse der Studie sprechen für eine weite Verbreitung des Konsums psychoaktiver Substanzen in der Bevölkerung. Vor allem der Konsum illegaler Drogen ist in Berlin im Vergleich zu Gesamtdeutschland höher. Dieses Phänomen trifft jedoch ebenso auf andere Großstädte wie Hamburg oder Frankfurt zu. Beim Alkohol- und Tabakkonsum sind die Unterschiede hier deutlich geringer.

Insbesondere der Rückgang des Rauchens und des Rauschtrinkens bei den jungen Berlinerinnen und Berlinern zeigt, dass die bisherigen Bemühungen einer Kombination von Verhaltens- und Verhältnisprävention erfolgreich sind. Der Konsums von Cannabis bleibt hingegen weit verbreitet. Daher sind hier Anstrengungen zur Prävention weiterhin notwendig bzw. müssen verstärkt werden. Dies betrifft auch den steigenden Konsum von Amphetaminen bei jungen Berlinerinnen und Berlinern.

Die Studie kann auf der Webseite des Instituts für Therapieforschung unter
http://www.ift.de/literaturverzeichnis/Bd_185_ESA_Berlin_2012.pdf heruntergeladen werden.

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