KARPFENTEICH

Was haben wir noch nach hundert Tagen der ganz großen Koalition? Die Gewissheit, dass aus der innenpolitischen Sachwalterin des Hier und Jetzt keine Reformkanzlerin mehr werden wird.

Das Volk hat bestellt, und Angela Merkel liefert. Ruhe ist erste Kanzlerinnenpflicht, was sich übrigens vor allem in der Krim-Krise im Zusammenspiel mit der wiedererstandenen Außenpolitik aus dem Hause Steinmeier durchaus als Segen und Verdienst der großen Koalition erweist. Deshalb stört es die Langstreckenkanzlerin Merkel als Allerletzte, dass die ersten hundert Tage scheinbar nur aufs SPD-Konto einzahlen.

Merkel hat “ihren Schröder” gelernt: Hinten sind die Enten fett, war dessen Devise – in vier Jahren nämlich spricht niemand mehr davon, dass Andrea Nahles es war, die binnen 90 Tagen den Gesetzentwurf zum Mindestlohn vorgelegt hat. Wir Wähler sind vergesslich; das hat Merkel noch nie vergessen.

War sonst noch was in 100 Tagen Groko? Ach ja, eine Delle namens Edathy, ein Ex-Minister Friedrich, der über seine eigene Tölpelhaftigkeit stolperte, dessen überschaubarer Verlust aber alleine dadurch deutlich wird, dass er noch nie so populär war wie nach seinem Rücktritt.

Das wohl größte Langzeitärgernis für die SPD wird allein daraus erwachsen, dass ihr ebenfalls unglücklich agierender Fraktionschef Oppermann bis auf weiteres im Büßerhemd durch den Bundestag schleichen muss – diese Union vergisst nicht; sie verzeiht allenfalls bei Wohlverhalten.

100 Tage große Koalition, das sind ein Appetithäppchen nur auf 1.300 weitere ungewisse Tage, die noch folgen. Und das ist eine Weisheit fürs Poesiealbum der Großkoalitionäre: Hinten sind die Enten fett.

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