KARPFENTEICH

Anne Balz vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften zeigt, wie
sich die Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren entwickelt
hat, wie sie sich innerhalb der EU-Staaten unterscheidet und wie die
Beschäftigungssituation von den Arbeitnehmern subjektiv wahrgenommen und
bewertet wird.

Wie sicher ist der europäische Arbeitsmarkt? Diese Frage beantwortet Balz,
indem sie vergleicht, wie sich die Wahrscheinlichkeit des
Arbeitsplatzverlustes im Verhältnis zu den Wiederbeschäftigungschancen in
den Berufen in den vergangenen Jahren in Europa entwickelt hat.

Die Bilanz: Deutschland ist neben Malta das einzige Land, in dem die
Arbeitsplatzverlustrate gesunken ist. Allerdings zeigt sich auch, dass in
Deutschland die Wiederbeschäftigungsrate unter den Arbeitslosen im EU-
Vergleich relativ niedrig ist. Dies könnte, laut Balz, zumindest teilweise
dadurch zu erklären sein, dass die Arbeitslosenrate in Deutschland
insgesamt eher niedrig ist, der Anteil der Langzeitarbeitslosen jedoch
vergleichsweise hoch. Insbesondere Langzeitarbeitslose weisen eine relativ
geringe Mobilität aus der Arbeitslosigkeit heraus auf. Auf einem
Arbeitsmarkt wie dem deutschen, der von einer steigenden
Erwerbstätigkeitsquote gekennzeichnet ist, sind demnach vor allem
Erwerbspersonen von Arbeitslosigkeit betroffen, die aufgrund ihrer
Ausbildung, ihres Berufs oder ihres Alters schwer vermittelbar sind, was
sich dann in einer vergleichsweise niedrigen Wiederbeschäftigungsquote
niederschlägt.

Für den Rest von Europa zeigt sich im Vergleich zum EU-Durchschnitt vor
allem in Südeuropa eine relativ unsichere Arbeitsmarktsituation. Besonders
trifft dies, wie nicht anders zu erwarten, auf Griechenland zu. In
Griechenland hat sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdreifacht, in
Spanien und Italien nahezu verdoppelt. Dagegen weisen die skandinavischen
Länder im Ländervergleich tendenziell günstige Arbeitsmarktbedingungen
auf, mit verhältnismäßig niedrigen Eintrittsraten in die und hohen
Austrittsraten aus der Arbeitslosigkeit. Auch der Arbeitsmarkt in England
bietet vergleichsweise positive Bedingungen.

Wie schätzen Arbeitnehmer in Europa das Risiko eines Arbeitsplatzverlustes
und ihre Chancen, in diesem Fall zügig einen neuen Arbeitsplatz zu finden,
subjektiv ein? Diese Frage beantwortet Anne Balz auf der Basis einer
Befragung von Erwerbstätigen in Europa. Erfreulich ist, dass die
Einschätzung der persönlichen Situation in vielen europäischen Ländern
überwiegend positiv ausfällt. Allerdings unterscheidet sie sich in den
einzelnen EU-Ländern dann doch erheblich. So sehen nur 4% der Schweden
ihre Chancen am Arbeitsmarkt als problematisch an, bei den Griechen
hingegen sind es 56%.

In Deutschland betrachten die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz überwiegend
als sicher. Immer weniger deutsche Arbeitnehmer sind besorgt, im Falle von
Arbeitsplatzverlust keine neue Stelle zu finden. Vergleicht man allerdings
die tatsächlichen Wiederbeschäftigungsraten arbeitsloser Erwerbspersonen
mit den subjektiven Wiederbeschäftigungschancen der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer im Falle von Arbeitslosigkeit, zeigt sich, dass diese
Unbekümmertheit nicht unbedingt auf Fakten beruht. Der Anteil der
Erwerbstätigen in Deutschland, die geringe Schwierigkeiten erwarten, ist
vergleichsweise hoch, die Wiederbeschäftigungsrate der Arbeitslosen eher
niedrig.

Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI, Nr. 51

<www.gesis.org/isi>

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