KARPFENTEICH

Die EU mit der Ukraine

…Wer hat denn, wenn überhaupt noch, Einfluss darauf, was Putin tut? Die Politik. Wer ist dafür verantwortlich, dass Westeuropa in vielerlei Hinsicht von Russland abhängig ist? Die Politik. Und wer hat überhaupt entschieden, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele in diesem Winter in Sotschi stattfinden? Die Sportler jedenfalls nicht. Auch das waren politische Entscheidungen – wie so oft ging es ums Geld.

So ernst die Lage auf der Krim auch ist…, ein sportlicher Boykott würde überhaupt nichts verändern. Die Sportfunktionäre aber könnten dafür sorgen, dass die Bühne von Wladimir Putin weniger erleuchtet ist als bei Olympia. Aus heutiger Sicht sind die Bilder eines strahlenden IOC-Präsidenten Thomas Bach neben Putin oder Bachs lobende Worte für den russischen Herrscher noch peinlicher als schon vor zwei Wochen.

Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, kann der Welt ein deutliches Zeichen geben: Er kann unterstreichen, wofür Olympische und Paralympische Spiele unter anderem stehen: für Frieden, für ein faires Miteinander. Sir Philip Craven kann Wladimir Putin in Sotschi die kalte Schulter zeigen; mehr noch, er kann öffentlich sagen, was er von Putins Machenschaften hält. Doch das Paralympische Komitee hat die gleiche Haltung wie das Olympische: Sport ist Sport, und Politik ist Politik.

Das war gestern im Dorf, wo die Athleten wohnen, ganz anders. Da zog das ukrainische Team geschlossen durch die Straßen und rief “Frieden für die Ukraine”. Eine solche Demonstration hat es in der paralympischen Geschichte noch nie gegeben. Sport und Politik sind in Sotschi längst vermischt. Es wird Zeit, dass die Funktionäre aus ihrem “Das-Eine-hat-doch-mit-dem-Anderen-nichts-zu-tun”-Versteck hervorkommen…

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