KARPFENTEICH

Zurück zu den Wurzeln. Nach Jahren, in denen das Nobelpreiskomitee Engagement für humanitäre, soziale und politische Ziele ausgezeichnet hat, werden die internationalen Chemiewaffenzerstörer im Sinne von Nobel dieses Jahr für Abrüstung, ja im wörtlichen Sinne für Entwaffnung geehrt. Die Entscheidung ist dennoch fragwürdig. Das Komitee ist der Versuchung erlegen, mit seiner Wahl scheinbar vieles gleichzeitig bewirken zu können. Es hat erstens medial für eine Überraschung gesorgt… Es konnte zweitens die tatsächlich erbrachte Leistung vergangener Jahre belohnen. Man war drittens in der Lage, mit Blick auf die Zukunft Motivation für die beispiellose Aufgabe der Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals zu bewirken. Konnte viertens das Rampenlicht auf einen hochaktuellen kriegerischen Konflikt lenken und fünftens nebenbei die Chemiewaffenbestände Russlands und der USA kritisieren. Gleichzeitig durfte das Komitee davon ausgehen, dass Entrüstung und Empörung als Reaktionsreflex in diesem Jahr ausfallen würden.

Anders als im Fall von Obama… oder der EU verbietet sich inhaltliche Kritik am diesjährigen Preisträger… Nein, nicht der Preisträger, das Komitee gehört kritisiert. Es ist kein Zufall, dass der Name OPCW nicht so recht von der Zunge gehen will. Die Organisation ist weitgehend unbekannt, da sie doch in erster Linie als ausführendes Organ arbeitet. Für eigene Impulse ist die OPCW nicht zuständig. Sie ist Auftragnehmerin. Doch wozu dann der Preis? Der Friedensnobelpreis kann außergewöhnlichen und vorbildlichen Impulsen dauerhaftes moralisches Gewicht verleihen… Mit der heutigen Entscheidung aber ehrt das Komitee eine Organisation, die zwar nicht de jure, aber de facto verlängerter Arm der UN ist. Sie rückt die moralisch so achtbare Auszeichnung in den Dunstkreis des aktuellen Gemetzels in Syrien, in die Nähe eines Krieges, bei dem sich gerade die UN, insbesondere der Sicherheitsrat, als Totalausfall erweisen, als das Gegenteil von preiswürdig. Noch ist der Tabubruch vom 21. August ungesühnt. Nein, 2013 ist kein gutes Jahr, um Verdienste im Kampf gegen Chemiewaffen auszuzeichnen.

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