KARPFENTEICH

Sie verlassen ihre Heimat für die Illusion eines besseren Lebens. Sie suchen Schutz und gehen dabei elend zugrunde. Das ist barbarisch. Das darf nicht sein. Diesmal war die Zahl der toten Bootsflüchtlinge vor Lampedusa besonders hoch. Noch immer weiß man nicht genau, wie viel Tote es wirklich gibt. Das wird vermutlich so bleiben, weil keiner Buch darüber führt. Darum ist es auch so leicht, einfach wegzusehen. Doch die Schwächsten dieser Welt brauchen unsere Hilfe.

Europa kann nicht untätig bleiben. Nach den eigenen Wertmaßstäben müsste es Flüchtlinge aufnehmen und verhindern, dass ihnen woanders Gefahr für Leib und Leben droht. Gleichwohl kann sich die EU nicht überfordern, Grenzen restlos öffnen. Was bleibt also zu tun? Die Seenotrettung muss so organisiert sein, dass sie nicht – wie jetzt in Italien – dem Zufall überlassen bleibt. Internationale Organisationen, die Grenzen schützen, sollten nicht mit verursachen, dass Flüchtlinge deswegen auf gefährlichere Routen ausweichen.

Doch angesichts steigender Flüchtlingszahlen sind nicht nur die EU und Italien gefordert. Auch Deutschland muss seine Zuwanderungspolitik überdenken. Und die Bootsflüchtlinge, die allen Widrigkeiten zum Trotz überlebt haben, sollten an Land nicht das nächste Martyrium erleben. Häufig sind sie zum Nichtstun verdammt, werden als Arbeitssklaven missbraucht. Auch das widerspricht den Grundwerten einer zivilisierten Gesellschaft.

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Comments

  1. Natürlich sind jetzt alle bestürzt in Brüssel… Von einem Weckruf ist die Rede.

    So reagiert Brüssel immer. Diesmal fällt die Betroffenheit noch ein bisschen größer aus, weil das Ausmaß der Bootstragödie alles Bisherige in den Schatten stellt. Aber es wird ausgehen wie immer: Nichts wird sich ändern.

    Gerade hat die EU das gemeinsame Asylsystem nach 15 Jahren Gezerre zu Ende gezimmert. Von der Ursprungsidee, Verfolgten in Europa Schutz zu gewähren und die Asylbewerber solidarisch auf die einzelnen EU-Staaten aufzuteilen, ist so gut wie nichts übrig geblieben. Stattdessen wird Europa zur Festung ausgebaut. Oberstes Ziel ist es, Flüchtlinge fern zu halten…

    Bezeichnenderweise tut man viel, um Flüchtlinge aufzuspüren, aber wenig, um in Seenot geratene Menschen retten zu können. Wer es von den Verzweifelten dann doch nach Europa schafft, der wird so schnell wie möglich zurückgeschickt. Immer weniger Flüchtlingen wird überhaupt die Chance auf ein Asylverfahren eingeräumt.

    Und von europäischer Solidarität bei der Lastenteilung kann schon gar keine Rede sein. Das Land soll sich gefälligst um die Flüchtlinge kümmern, wo sie europäischen Boden betreten haben.

    Das ist bequem für Deutschland, aber es überfordert die Mittelmeerländer, zumal die auch noch wirtschaftlich ganz tief im Schlamassel stecken. In Griechenland und anderswo kann von einem humanen Umgang mit den Hilfesuchenden keine Rede sein.

    Viele nennen das zurecht eine Schande. Aber die Moral kommt nicht gegen die Realpolitik an. Wenn man etwas gegen das Drama der Bootsflüchtlinge tun will, dann müsste man Druck aus dem Kessel nehmen und mehr legale Möglichkeiten zur Einwanderung nach Europa schaffen.

    Davor schrecken aber alle Politiker zurück wie der Teufel vor dem Weihwasser. Sie glauben, dass die Gesellschaften nicht mehr Zuwanderung verkraften können. Und sie fürchten, dass Populisten und Radikale aus der weit verbreiteten Angst vor der Überfremdung immer mehr Kapital schlagen.

    So wird Europa auch nach Lampedusa in der Praxis weiter nach dem Motto agieren: Unser Boot ist voll.

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