KARPFENTEICH

Italien nicht im Chaos

Italien ist dazu bestimmt, dass alles, womit Silvio Berlusconi zu tun hat, zum Scheitern verurteilt ist. Nicht einmal einen anständigen Abgang bekommt dieser Mann hin. Vor dem Ausschluss aus dem Senat hat der 77-Jährige in einem ultimativen Akt politischen Wahnsinns ein ganzes Land in Geiselhaft genommen. Er hat Italien ins Chaos gestürzt, in der irrationalen Hoffnung, damit seine eigene Haut retten zu können. Am Ende haben ihn nicht einmal mehr seine Getreuen verstanden. Ein Parteifreund nach dem anderen kündigte Berlusconi die Gefolgschaft auf. Das hat wenig mit Courage zu tun, das ist der reine Überlebenswille…

Der Fall Silvio Berlusconi ist pathologisch, sein krankhafter Egoismus ist eine Gefahr für ihn und alle, die mit ihm zu tun haben. So gesehen ist Regierungschef Letta nicht zu beneiden; das Vertrauen, das ihm Berlusconi heute ausgesprochen hat, bedeutet die Fortsetzung der großen Koalition mit einem politischen Geisterfahrer. Die offensichtliche Spaltung des Berlusconi-Lagers in Fundis und Realos wäre ein Fortschritt gewesen, jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, wann Berlusconi der Regierung ihre nächste Krise beschert.

Ja, das war heute eine Niederlage für ihn, ja, er ist deutlich geschwächt. Aber man darf nicht vergessen, dass Silvio Berlusconi große Erfahrung im Umgang mit solchen Niederlagen hat… Oft haben wir vom Anfang vom Ende der Ära Berlusconi gesprochen, genauso oft mussten wir feststellen, er ist wieder da. Und das hat er ja bereits angekündigt: Auch nach seinem Ausschluss aus dem Parlament will er weiter Politik machen – zu seinem Segen, zum Fluch für Italien.

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