KARPFENTEICH

Die Euro Schuldenkrise

Einmal mehr ist ein Brandherd in der Euro-Schuldenkrise eingedämmt, einmal mehr bleiben Glutnester und ein Riesen-Scherbenhaufen zurück. Ob und wie Zypern die vor ihm liegende harte Phase wirtschaftlicher Konsolidierung übersteht, ist längst nicht ausgemacht. Sicher dagegen ist die schon jetzt große, mit den unvermeidlichen Folgen der nun beginnenden Einschränkungen garantiert weiter wachsende Wut über die Retter. So schizophren es klingt: mit jedem finanzwirtschaftlichen Konsolidierungs-Erfolg erhält der Euro-Raum und darüber hinaus die gesamte Europäische Union einen weiteren schweren Schlag. Die Gemeinschaft gerät in Gefahr, sich an der Sanierungsfront zu Tode zu siegen. Denn nicht nur in den jeweils akut betroffenen Krisenregionen werden die geleisteten beträchtlichen Solidarhilfen als selbstverständlich vereinnahmt, die dafür von den Verursachern der Schieflagen eingeforderten Selbstbeteiligungen aber als Ausdruck hegemonialer Großmachtsallüren empfunden. Das trifft vor allem Deutschland als wirtschaftlich stärksten, politisch aber auch recht rigoros vorgehenden Zuchtmeister der neuen Ausgabendisziplin. Rund ums Mittelmeer, aber auch anderswo, lebt das Zerrbild vom häßlichen Deutschen wieder auf, gern mit Hakenkreuzbinde für Angela Merkel. Geschürt, zumindest aber geduldet wird es von heimischen politischen Eliten, die damit nur zu gern von ihrer eigenen Verantwortung ablenken. Zugelassen aber wird es auch von einer EU-Führung sowie von anderen EU-Staaten, die die Solidarität ihrer Steuerzahler genausowenig zum Nulltarif hergeben wollen wie Berlin, jedoch gern hinter dessen vermeintlich breiten Rücken in Deckung gehen, wenn es dafür faule Eier hagelt. In diesem Klima zerbröselt gar nicht so unmerklich der Kitt, der die Gemeinschaft zusammenhält. Es ist schon so: Erst in Zeiten der Krise zeigt sich ihr wahrer Wert. Im Moment wächst der Eindruck, dass jede weitere Belastungsprobe eine zuviel sein könnte. Das kann niemand wollen.

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