KARPFENTEICH

Eurorettung der Finanzmärkte

Das Undenkbare ist wahr geworden: Die Italiener haben nicht gewählt, was sie wählen sollten – Monti oder Bersani. Sie haben sich stattdessen entschieden für Berlusconi und Grillo. Aus Sicht der Finanzmärkte ist das der Super-GAU bei der Eurorettung… Ist mit diesem Ergebnis nun die Eurokrise zurück? Wiederholt sich die Dramatik des vergangenen Frühjahrs nun noch einmal? Ich glaube nicht, wenngleich das Votum der Italiener deutlich macht, auf welch wackeligem Fundament die Krisenpolitik ruht. Sie braucht – und das wird gern vergessen – eine Verankerung in der Bevölkerung. Und das hat sie vielerorts nicht mehr.

In Griechenland sowieso nicht, und in Italien nun ganz offenkundig auch nicht mehr. Trotzdem dürfte sich der Sturm an den Finanzmärkten in Grenzen halten. Das hat allerdings weniger mit dem Krisenmanagement von Europas Staats- und Regierungschefs zu tun, als mit Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Denn dessen Zusage, alles für das Überleben des Euro zu tun, die Märkte also weiterhin mit EZB-Milliarden zu fluten und notfalls auch Staatsanleihen aufzukaufen, gilt weiterhin.

Zweitens haben die Europäer im vierten Krisenjahr nun doch ein ansehnliches Arsenal von Instrumenten, um ein Wiederaufflackern der Krise zu verhindern: zwei Rettungsschirme, Milliarden zur Rekapitalisierung der Banken, eine strengere Haushaltskontrolle. Brüssel kann mehr Zähne zeigen und beherzter eingreifen als noch vor einem Jahr.

Ist deshalb alles in Butter? Natürlich nicht. Denn selbst wenn die Finanzmärkte das Vertrauen in den Euro nicht verlieren – die Bevölkerung im Süden Europas hat es offenbar verloren… Vor ein paar Tagen hat der designierte neue Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, Clemens Fuest, an dieser Stelle gesagt, die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone sei noch immer nicht gebannt. Er warnte davor, dass sich einzelne Länder aus der Gemeinschaftswährung verabschieden könnten. Diese Gefahr ist nach der Italien-Wahl jedenfalls wieder gewachsen.

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