KARPFENTEICH

Hand aufs Herz: Kaum etwas ist uns so lieb und teuer wie unser Führerschein, egal ob wir noch den alten grauen Lappen, das rosa Heftchen oder das scheckkartengroße Kärtchen in der Tasche haben. Um ihn ja nicht zu verlieren, sind wir oft genug zu fast allem bereit – außer uns ohne Wenn und Aber an die Straßenverkehrsordnung zu halten. Täten wir das, gäbe es keine 70000 Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit und stürben nicht 40 Prozent aller Verkehrstoten wegen gemeingefährlicher Raserei. Um dem Einhalt zu gebieten, gibt es die Flensburger Verkehrssünderkartei, derenRegelwerk soeben überarbeitet worden ist. Ob das Resultat zielführend ist, darüber wird trefflich gestritten. Was immer am Ende herauskommt, es wird Recht und Gesetz sein, und wir werden uns alle danach zu richten haben. Ganz anders sieht die Sache indes aus, wenn die Beweise für die Verfolgung und Bestrafung des Verkehrssünders anfechtbar sind. Wenn stimmt, dass ein beträchtlicher Teil der Tempoüberwachungsgeräte hierzulande – aus welchem Grund auch immer – nicht präzise arbeitet, dann schwindet ganz schnell das Vertrauen in die Rechtmäßigkeit staatlichen Handelns. Und deshalb ist es unabdingbar, dass der Staat nicht nur für ein nachvollziehbares und damit akzeptiertes Regelwerk sorgt, sondern auch dafür, dass die Methoden, Beweise für Verstöße zu sammeln, unanfechtbar, weil objektiv nachprüfbar sind. Solange das nicht gewährleistet ist, wird jeder Raser vor Gericht ziehen. Kommt er davon, wird er den Fuß nicht vom Gas nehmen – und die Verkehrssünderdatei zumindest in seinem Fall nicht das Papier wert sein, auf dem die so gefürchteten Punkte sorgsam notiert sind.

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Comments

  1. Hallo. Ich verfolge Deinen Blog schon einige Zeit. Er gefällt mir sehr gut. Und da wollte ich mal Nachfragen, ob Interesse besteht an einer gegenseitigen verlinkung mittels Blogroll. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

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