KARPFENTEICH

Irland wird die EU würdig vertreten. Seit Ausbruch der Finanzkrise beweisen die Iren mit eiserner Kraft, wie ernst es ihnen mit dem Sparen ist. Die Regierung mutet der Bevölkerung harte Einschnitte zu, die Bürger ertragen den Kahlschlag beinahe klaglos. Nun ist die Geschichte dieses Landes reich an Leid und Entbehrung. Irland hat Hungersnöte überstanden und Auswanderungswellen. Im Bewusstsein, viele Schicksalsschläge verkraftet zu haben, bewältigen die Iren die Folgen der Finanzkrise mit bewundernswerter Demut – und werden damit zum Vorbild. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Iren sich am meisten über sich selbst ärgern. Sie akzeptieren, dass die Krise hausgemacht ist: Pflichtvergessene Politiker haben den Staat den Banken ausgeliefert. Arglose Privatleute haben sich für Häuser verschuldet, die sie sich nicht leisten konnten. Kein Ire käme auf die Idee, finstere kapitalistische Mächte, Angela Merkel oder die Globalisierung für die Misere verantwortlich zu machen. Insofern taugt Irland sehr wohl als Vorbild für Griechenland, Spanien und Italien.

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