KARPFENTEICH

… Bei Aktivitäten russischer Konzerne und verdächtigen Transaktionen russischer Reicher drücken die Briten nach wie vor ein Auge zu. Selbst steckbrieflich gesuchte korrupte Banker oder Geschäftsleute dürfen bei ihnen ein Leben im Wohlstand führen, solange nur ihr Geld in die britische Wirtschaft fließt. Dieser politische Opportunismus zahlt sich aus, aber nicht auf ewig. Der russische Einfluss auf den Inseln nimmt zu und niemand protestiert mehr, wenn die Gazprom weitere Firmen aufkauft und nicht den Chelsea-Klub, sondern auch die Wohnungen der Normalverbraucher mit Gas beliefert.

Bislang kam den Russen zugute, dass die britische Gasförderung in der Nordsee schrumpfte und die Regierung die Schiefergasbohrungen verbot. In der Gestalt des BP-Konzerns wussten sie auch einen mächtigen Geschäftspartner im Rücken. Alles lief auf das wohlbekannte Ende hinaus: die Entstehung einer weiteren Pipeline für russische Gastransporte, dieses Mal von Kontinentaleuropa aus in das britische Norfolk. Damit wäre ein weiteres Land der Union – und kein geringes – zunehmend vom russischen Rohstoff abhängig geworden. Die Idylle getrübt hat die Entscheidung der Downing Street, die Fracking-Technologie bei der Suche nach Schiefergas doch zuzulassen. Wenn es jetzt der Firma Cuadrilla Resources gelingt, unerwartet große Vorkommen bei Blackpool zu entdecken, kann der russische Plan scheitern …

Erschließungsfähige Vorkommen bedeuten für das jeweilige Land eine Revolution in der Energiewirtschaft, billigeren Brennstoff, sinkende Preise und wirtschaftliche Belebung. Die Lage wäre auch vom Blickwinkel des EU-Marktes günstig, denn die Union ist immer noch zu 25 Prozent vom russischen Gas abhängig. Die britischen Bohrungen sollten auch die Firmen ermutigen, die in Polen nach Gas suchen, denn wer zuerst das Gas in industriellen Mengen fördern wird, der wird nicht nur auf dem Binnenmarkt gewinnen, sondern auch die Chance bekommen, billigeren Brennstoff in andere europäische Staaten zu exportieren. Das Rennen ist eröffnet.

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