KARPFENTEICH

Tweet about this on Twitter1Share on Facebook0Share on Google+1Share on LinkedIn0

Die Bundeskanzlerin hat schon lange keinen russischen Boden mehr betreten, zwei Jahre. Allein damit, dass sie die Eurokrise zu sehr in Anspruch nimmt, kann man das nicht erklären … Aber wegen der akuten Fragen in den Beziehungen zwischen Moskau und Berlin hat der Besuch eine große Bedeutung…

Es wird keine Protestdemonstrationen geben, die die meisten EU-Länder sonst in Aufruhr bringen. Im Gegenteil, sollte sie ihre Russisch-Kenntnisse anwenden und mit den Moskauern ins Gespräch kommen, könnte sie sich von der vorherrschend positiven Haltung in Russland zu Deutschland überzeugen…

Die Deklaration (des Deutschen Bundestages) an die Adresse Moskaus konnte natürlich nicht entgegen der Meinung der Bundeskanzlerin verabschiedet werden. Es ist aber eine andere Sache, wie Angela Merkel damit umgeht.

Die Resolution erleichtert in gewisser Hinsicht ihre Mission: es reicht, sich auf das Dokument zu berufen, um nicht zu tief in dessen heikle Materie einsteigen zu müssen, sondern sich an die Arbeit zu machen.

Zudem bilden die Themen Demokratie, Rechtsordnung und Menschenrechte nur einen Zweig des russisch-deutschen Dialoges und auch nur einen Teil des nahezu allumfassenden Komplexes der strategischen Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern ab.

Ohne Zweifel wird Angela Merkel im Kreml mit der gebührenden Achtung freundschaftlich empfangen werden. Der Präsident und die Kanzlerin kennen einander gut und auch schon lange. Zuweilen stritten sie auch.

Doch sie haben den Dialog und das Vertrauen als ultima ratio und als unerlässliche Bedingung für die Entwicklung einer politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Partnerschaft, die sich auch auf der jeweiligen gesellschaftlichen Ebene vollzieht, immer bewahrt.

Was auch immer von voraussehbaren Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen Merkel und Putin gesagt wurde, einen anderes Ziel oder Sinn können ihre Verhandlungen gar nicht haben. Umso mehr, als Russland und Deutschland eine historische Verantwortung für den Frieden und das Wohlergehen Europas tragen …