KARPFENTEICH

Die deutsche Bundeskanzlerin hat ihr politisches Gewicht bei diesem Kompromiss auf die Formel “Qualität vor Schnelligkeit” gebracht. Soll heißen, ohne eine wirklich funktionsfähige und leistungsfähige Aufsicht soll es kein frisches Geld für die Banken geben.
Aber ganz nüchtern betrachtet, ist das nicht mehr als ein kleiner Zeitgewinn. Die grundsätzlichen Entscheidungen dazu sind bereits auf dem Juni-Gipfel gefallen, als zum ersten Mal deutlich wurde, dass sich die politische Großwetterlage in der EU und insbesondere in der Eurozone verändert hat. Dass jetzt selbst der britische Premierminister Cameron ein wenig auf die Bremse drückt und sich bei den Zeitplänen hinter Merkel stellt, ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Südallianz aus eigenem Interesse aufs Tempo drückt. Von Streit würde die deutsche Bundeskanzlerin niemals sprechen. Angela Merkel bleibt ihrer pragmatischen Ader treu und setzt auf kleine Erfolgserlebnisse. Aber insgeheim wird auch Angela Merkel sich eingestehen müssen, dass sie die Zügel der europäischen Krisenpolitik derzeit nicht mehr wirklich in der Hand hält.

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