KARPFENTEICH

Wir wissen nicht, ob Frau Merkel die Griechen mag. Ob sie gerne Tzatziki isst, den griechischen Knoblauchquark. Wir vermuten, dass sie griechischem Wein wenig zugetan ist, sie mag französischen, keinen harzigen Retsina. Es ist allerdings anzunehmen, dass der Bundeskanzlerin aus ihrer Moskauer Studentenzeit der Konsum von Hochprozentigem durchaus vertraut ist. Sie hätte sicher Verständnis für das verbreitete Trinken von Ouzo, dem griechischen Anisschnaps.

Die Kanzlerin war in Athen. Sie hätte nicht fahren müssen, hätte sie nicht gewollt. Und sie demonstrierte mit dem Besuch Normalität. In der deutschen Öffentlichkeit ist über Griechenland ja seit Ausbruch der Krise um gefälschte Bilanzen und nicht eingehaltene Sparvorgaben der Eindruck entstanden, der Peloponnes sei ein Vorhof zur Hölle.

Aber Merkel war gestern nicht in Nordkorea oder im Kongo. Sie war in Europa. In einem Land, in dem große gesellschaftliche Umbrüche vor sich gehen, die wir uns im zufriedenen Deutschland nur schwer ausmalen mögen. Einem Land, in das noch bis vor wenigen Jahren viele von uns gerne gereist sind, auch wenn es natürlich Mittelmeerländer mit ansprechenderer Küche und erleseneren Weinen gibt.

Wahrscheinlich wäre in entspannten Zeiten, in denen nicht Hakenkreuze in Athen hochgehalten werden, der Besuch der Kanzlerin länger ausgefallen. Vielleicht hätte sie gar den Anblick der erleuchteten Akropolis genießen können, so die denn in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch angestrahlt wird. So mussten sechs Stunden reichen, um Ministerpräsident Samaras und Präsident Papoulias zu versichern, dass ihr Land auf einem guten Wege sei.

Ob Merkel das so meint oder nicht, sei dahin gestellt. Zu oft haben die Griechen eingestehen müssen, dass es doch nicht klappt mit dem eisernen Sparen. Aber die Kanzlerin hat – innenpolitisch durchaus riskant – den deutschen Wählern gezeigt, dass Griechenland uns natürlich angeht. Und dass uns das etwas kostet. Egal, ob die Griechen nun im Euro bleiben oder nicht.

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