KARPFENTEICH

Demonstrationen

»Basta!« zu sagen, ist nicht das Privileg von Regierungschefs. »Basta!« sagten am Wochenende Hunderttausende in Portugal und Spanien. Seit dem Sturz der Diktatur im Jahre 1974, der legendären Nelkenrevolution, hat es nicht mehr so viele Portugiesen auf die Straße getrieben wie am vergangenen Sonnabend. Mehr als eine Million waren es nach Schätzungen von Augenzeugen. Und beim »Marsch auf Madrid« sagte eine unübersehbare Menschenmenge ebenfalls: »Es reicht!« Genug der Kürzungen bei Gehältern, Renten und Sozialausgaben, genug der Entlassungen, die von »Troikas« und Regierungen – nicht nur auf der Iberischen Halbinsel – als Allheilmittel in der Finanzkrise verschrieben werden. Und das, obwohl längst offensichtlich ist, dass dieses Rezept die Krankheit nur verschlimmert. Denn die Beschneidung der kaufkräftigen Nachfrage stößt die Wirtschaft nur noch tiefer in die Rezession. Die Schulden Spaniens, Portugals, Griechenlands und anderer Staaten sind freilich eine Tatsache. Aber vielerorts übersteigen die Privatvermögen der Superreichen die staatlichen Defizite bei weitem. Nur wenn die großen Privatvermögen umfassend beteiligt werden, lasse sich die Krise bewältigen, sagt das globalisierungskritische Netzwerk Attac. Die Regierungen aber wälzen die Lasten ein übers andere Mal nach unten ab. »Unumgänglich« nennt das der spanische Wirtschaftsminister. »Alternativlos«, würde Frau Merkel sagen, und das klingt wie »Basta!« Spanier und Portugiesen haben am Wochenende zu Hunderttausenden dagegengehalten.

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