KARPFENTEICH

Dass gewerbsmäßige, also bezahlte Beihilfe zum Suizid künftig bestraft werden soll, macht den Gesetzentwurf der Justizministerin grundsätzlich begrüßenswert. Wenn da nicht ein gewaltiger Haken wäre, der die gute Absicht ruiniert: dass es ausschließlich um das auf Gewinn ausgerichtete Geschäft mit der Sterbehilfe geht.

Denn im zu Recht umstrittenen Entwurf ist dies nicht ein Aspekt unter vielen, die nun schärfer geahndet werden sollen – sondern der einzige. Das ist zu wenig. Verständnis haben Taten aus Mitleid verdient. Aber verschont bleiben weiterhin überzeugte Suizidhelfer, die sich durch ihr Tun vielleicht nicht finanziell bereichern, aber dennoch systematisch und wiederholt handeln, getarnt als Verein oder auch einfach als Privatperson.

Und so entlarvt die aktuelle Debatte, dass in Deutschland dringend eine Grundsatzfrage zur Sterbehilfe geklärt werden muss: Geht es ums Geld oder ums Prinzip? Sind wir eine Gesellschaft, die sich davon distanziert, ja, die sogar unter Strafe stellt, dass Menschen Sterbewilligen systematisch beim Sterben helfen? Beantworten wir diese Frage mit Ja, muss der Gesetzentwurf überarbeitet werden. Denn dann darf es keine Rolle mehr spielen, ob sich ein Todesengel bezahlen lässt oder nicht.

Der Aufschrei aus Politik und Öffentlichkeit zeigt, dass sich das Bundeskabinett diese Frage hätte stellen müssen, bevor es den Vorschlag durchwinkte. Noch ist es aber nicht zu spät, nachzubessern.

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