KARPFENTEICH

Die Organspende – man kann sie sich vorstellen wie ein Haus mit dicken Mauern und winzig kleinen Fenstern, ein System, in das man von außen nur schwer Einblick bekommt. Das heutige Treffen war der Versuch, dieses Haus als Glashaus zu präsentieren, eines, bei dem in allen räumen selbst Dämmerung das Flutlicht jederzeit an ist.

Das ist aus Sicht der Handelnden eine verständliche PR-Maßnahme. Verräterisch die dabei üblichen Floskeln: mehr Transparenz, intensivere Kontrollen, Vertrauen stärken… Eine sehr vorhersehbare Krisenkommunikation…, ein erster Schritt…

Ja, es gibt Prüf- und Überwachungskommissionen von Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der Krankenkassen. Deren Tätigkeit war bislang allerdings wirklich sehr diskret. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass von 30.000 Transplantationen in den vergangenen 11 Jahren rund zwanzig Mal ein Verstoß gegen die Richtlinien festgestellt wurde.

Ist dieses transeuropäische Wartelisten-System insgesamt wirklich das beste aller denkbaren Systeme? Diese Frage stellten sich die handelnden Akteure bislang nicht.

Genauer unter die Lupe nehmen will man jetzt auch das beschleunigte Verfahren… Man hätte wissen können, dass das Eilverfahren bei einigen Organen längst von der Ausnahme zur Regel geworden ist. Selbst zum Thema gemacht haben es die Experten, die heute am Tisch saßen nicht.

Jetzt zeigt man sich irritiert, verspricht Aufklärung und sagt scheinbar entschlossen: Da müssen wir gegensteuern. Warum war das vorher kein Thema?

Es ist gut, dass der Druck, das Interesse der Öffentlichkeit gerade hoch ist. Diese Sensibilität muss erhalten bleiben, auch wenn die Scheinwerfer der Fernsehkameras weg sind… Deshalb dürfen die Beteiligten keinen Kurzurlaub im Glashaus machen, sondern müssen dafür sorgen, dass das Haus der Organspende dauerhaft möglichst gläsern bleibt.

Die Politik darf nicht darauf vertrauen, dass die Selbstverwaltungen… das schon irgendwie tun werden, den politischen Gestaltungsanspruch darf sie gerade in diesem Bereich nicht aus der Hand geben. Dass die Organspende ein schwieriges Feld ist, um wirkliche Transparenz zu schaffen, ein Bereich in dem es um schnelle Entscheidungen… um Leben und Tod geht, darf kein Argument sein, es nicht zu versuchen.

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