KARPFENTEICH

Es ist in Mode gekommen, den Euro und den europäischen Einigungsprozess zu zerreden. Beispiele für Euro-Skeptizismus gibt es dieser Tage auf dem Alten Kontinent zuhauf: Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer erklärt, nur Verrückte würden noch um Aufnahme in die EU bitten. Der britische Premier David Cameron sagt Journalisten, dass Großbritannien sich stärker von den EU-Institutionen abkapseln müsse, um im Globalen Dorf ohne “Brüsseler Fesseln” auftrumpfen zu können. Tschechiens Präsident Vaclav Klaus fordert einen schnellstmöglichen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone, damit die Hellenen ihre verloren gegangene Freiheit wiedererlangen könnten.

Nur drei von zahlreichen Äußerungen, die von gefährlicher Ignoranz zeugen! Die Schweiz sollte froh sein, dass sie in Frieden und Stabilität leben kann, von Nachbarn umgeben, zu denen sie ihre Grenzen geöffnet hat. Großbritannien ist gut beraten, nicht außer Acht zu lassen, dass seine Wirtschaftskraft dem Binnenmarkt geschuldet ist. Tschechien sollte nicht vergessen, dass Systemkritik des Staatsoberhaupts in nicht allzu ferner Vergangenheit dramatische Konsequenzen zu haben drohte. Parallel zum erstarkten Euro-Skeptizismus erodiert im Zuge der Überschuldung einzelner Euro-Staaten das Vertrauen zwischen Nord- und Südeuropäern. Doch beide Trends dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Europäer mehr denn je aufeinander angewiesen sind.

Tweet about this on TwitterShare on Facebook0Share on Google+0Share on LinkedIn0
Author :
Print