Asien, Europa und die USA

Posted by Günter K.V. Vetter on 03/05/12

Asien erlebt Veränderungen. Es wird sowohl Sicherheit als auch Unsicherheit in der Zukunft der Region geben. Einerseits ist gewiss, dass sich Zusammenarbeit und Entwicklung fortsetzen werden. Andererseits gibt es kein gemeinsames politisches und Sicherheitssystem in der Region, und es gibt auch keine gemeinsamen Normen für Politik, Demokratie und Menschenrechte oder gemeinsame Grundprinzipien für den Umgang mit territorialen Meinungsverschiedenheiten.

Eine solche Unsicherheit stellt einen wichtigen Hintergrund für einige heikle Fragen dar, die gegenwärtig in Asien auftauchen, zu denen die Auseinandersetzung zwischen China und den Philippinen im südchinesischen Meer zählt wie auch die Nuklearfrage auf der koreanischen Halbinsel und die komplizierten Konflikte zwischen Indien und Pakistan.

Asiens Aufstieg war wesentlich ein wirtschaftlicher. Diese Aufstieg hat Asien in die Lage versetzt, zahlreiche alte Normen zu durchbrechen und danach zu streben, neue Normen in den Bereichen Politik, Sicherheit und auf zahlreichen anderen Gebieten zu etablieren. Verschiedene Kräfte haben zu wetteifern begonnen, diese neuen Regeln und Regulierungen zu dominieren.

Die USA üben einen wichtigen Einfluss auf die Einführung zukünftiger Regeln und Regulierungen in Asien aus, obwohl sie ein Außenseiter sind. Es wäre einseitig, die “Rückkehr” der USA “nach Asien” lediglich als den Aufbau einer Verteidigung gegen China zu interpretieren. Es gibt eine tiefere strategische Bedeutung bei diesem Schritt. Was die USA wünschen ist, die Leitlinien für die neue Ordnung in Asien vorzugeben, diese aufzubauen und sie dann zu beherrschen. Im April hat die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton in einer Rede bei der US Naval Academy gesagt: “Während sich die Geometrie der globalen Macht verändert haben mag, ist die amerikanische Führung so grundlegend wichtig wie je zuvor.”

Es könnte sich herausstellen, dass China nach den von den USA vorgegebenen Spielregeln spielt, was den USA tatsächlich dabei behilflich ist, ein höchst wirksame Verteidigung gegen China aufzubauen. Man betrachte nur das jüngste gemeinsame Militärmanöver der USA und der Philippinen und ähnliche militärische Übungen und militärische Wieder-Stationierungen der USA in der Region. Sie dienen nicht lediglich als Band zwischen den USA und ihren Verbündeten, sondern sie tragen auch dazu bei, dass die USA ihre regionalen Mechanismen der militärischen Zusammenarbeit integrieren. Diese Mechanismen schützen die amerikanische militärische Dominanz in Asien und leisten unterdessen einen militärischen Beitrag dazu, sich gegen Chinas Aufstieg zu verteidigen. Gewiss, militärische Vorherrschaft stellt lediglich einen Teil der amerikanischen Strategie dar. Politisch halten die USA das Banner von Demokratie und Freiheit hoch und sichern dies durch Wirtschaftssanktionen und andere Maßnahmen. Ökonomisch haben die USA bereits das Transpazifische Partnerschaftsabkommen initiiert und die Förderung dieses Systems beschleunigt.

Die asiatischen Länder spielen jedoch nicht mehr eine passive oder defensive Rolle.

Ein aufsteigendes China ist zu einer wichtigen Kraft geworden, die über die zukünftige Ordnung in Asien entscheidet. Chinas Entwicklung hat seinen Nachbarländern große Vorteile gebracht. Aber zugleich haben diese Nachbarn gewisse Bedenken, wenn sie es mit China zu tun haben.

Die asiatischen Länder wollen sich im Verhältnis zu China und den USA nicht auf eine Seite stellen. Im Zuge der sich vertiefenden regionalen wirtschaftlichen Integration werden die asiatischen Länder, insbesondere die kleinen und mittelgroßen, über eine zunehmende Unabhängigkeit bei ihrer Zusammenarbeit im Hinblick auf ihre Wirtschaftspolitik, ihre Politik und Außenpolitik verfügen, was sie immer mehr dazu in die Lage versetzt hat, die Richtung der regionalen Entwicklung zu gestalten.

Tatsächlich wird der Aufbau der zukünftigen Geometrie regionaler Sicherheit in Asien und damit verbundener Regeln durch den Wettstreit verschiedener Kräfte beeinflusst. Die USA, China, Japan, Indien und die ASEAN versuchen alle auf der Grundlage ihrer eigenen Interessen die beste Position bei der zukünftigen regionalen Gestaltung zu erreichen.

Die Stärke eines Landes, sei sie politisch, wirtschaftlich und militärisch, sollte sich letztendlich auf Ethik gründen. Die Stärke der USA mag zukünftig relativ zurückgehen und ihnen mag das Geld fehlen, aber ihnen fehlen nicht ethische Vorteile. Die zukünftige Herausforderungen für die USA liegt darin, wie sie die Macht mit China und anderen aufstrebenden regionalen Kräften teilen.

Was China erkennen sollte ist, dass Wirtschaftswachstum nicht unbedingt die Etablierung neuer Regeln mit sich bringt. Und dies kann auch nicht einfach durch Chinas Kraft allein erreicht werden. China sollte über ein klareres Ziel verfügen, welche Regeln und Ordnungen in der Zukunft erforderlich sind. Und die größte Schwierigkeit dabei liegt darin herauszufinden, welche Position wir einnehmen wollen und was wir den USA anbieten können.

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