Phantom griechischen Bankrotts
Nach 12 Stunden stürmischer Beratungen… ist das Phantom griechischen Bankrotts gebannt. Die Frage ist, für wie lange und zu welchem Preis? Vom Stil rede ich schon nicht, schließlich zählen die Entscheidungen, und nicht, wie man sie erzielt. An die griechischen Dramen haben wir uns in der Union inzwischen alle gewöhnt.
Das Problem ist, dass die griechische Straße ununterbrochen rebelliert… Die Griechen können den gruseligen Ernst der Lage, die Tatsache, dass sie in einem bankrotten Staat leben und am Tropf Brüssels hängen, nicht begreifen. Die EU-Spitzen wiederum haben sich wohl noch immer nicht damit abgefunden, dass ihnen bevorsteht, diesen Tropf noch jahrelang zu erneuern. Mit einem Wort: Niemand ist zufrieden, während wir allerseits vom “Erfolg” hören.
Die Europäische Union sieht sich der härtesten Probe seit ihrem Bestehen ausgesetzt. Die Krise lässt ihre Schwächen und Konstruktionsfehler immerzu sichtbar werden. Und dennoch besteht Europa weiter; das “Bindemittel” ist der Sinn, zusammen zu stehen und die gegenseitigen Verflechtungen, die bewirken, dass die Völker aufeinander angewiesen sind. Die Angst vor einer Neuordnung, eigentlich aber vor dem Chaos nach einem Zerfall der Union ist stärker als die Verdrossenheit über die jetzige Unordnung. Die große Korrektur ist  in vollem Gange – Griechenland ist da nur der Anfang.


