Deutschland zeigt Defizite beim Kampf gegen Menschenhandel
Deutschland hat sein Bemühen verringert, von Menschenhandel betroffene
Opfer zu schützen. Das zeigt der aktuelle Index zur Messung staatlicher
Maßnahmen gegen den Menschenhandel aus dem Jahr 2010. Entwickelt wurde der
Index von Forschern der Universität Göttingen, der Universität Heidelberg
und der London School of Economics and Political Science (LSE). Er
untersucht die Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels in den drei
Kategorien Strafverfolgung, Prävention und Opferschutz.
Während Deutschland im Jahr 2010 in der strafrechtlichen Verfolgung von
Menschenhändlern sowie bei der Prävention von Gewalt die maximalen Werte
aufweist, sind beim Opferschutz im Vergleich zu 2009 die Werte gesunken.
„Deutschland hat beispielsweise mehr Straferlasse erteilt und weniger
medizinische Hilfe bereitgestellt“, sagt Dr. Seo-Young Cho von der
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. „Es ist
möglich, dass Opfer bestraft oder abgeschoben werden bevor sie als Opfer
des Menschenhandels vor dem deutschen Gesetz gelten“, so die Autorin des
Indexes. Aus diesem Grund erhielt Deutschland in der Kategorie Opferschutz
im Jahr 2010 nur drei Punkte, was eine Verringerung um zwei Punkte im
Vergleich zu 2009 bedeutet. Die Kategorie der strafrechtlichen Verfolgung
bemisst die Gesetzgebung und ihre Durchsetzung zur Bekämpfung des
Menschenhandels. Prävention ist die Kategorie, die staatliche Aktivitäten
bei der Grenzkontrolle, öffentliche Kampagnen, den Informationsaustausch
sowie Bildung zum Thema Menschenhandel beurteilt.
Die Wissenschaftler haben Statistiken aus insgesamt 182 Ländern
ausgewertet. Gemessen werden die staatlichen Maßnahmen dabei anhand einer
Fünf-Punkte-Skala – von 1 als schlechtester Bewertung bis 5 als bester
Bewertung. Die Werte der drei genannten Kategorien werden schließlich
addiert, so dass ein Land mit drei Punkten am schlechtesten und ein Land
mit 15 Punkten am besten bewertet ist.
Im Jahr 2010 erreichten insgesamt sechs Länder die höchste Punktzahl 15
auf der Skala für das beste politische Verfahren im Kampf gegen den
Menschenhandel: die Niederlande, Schweden, die Vereinigten Staaten,
Slowenien, Spanien und Belgien. Mit der geringsten Punktzahl 3 schneiden
Nordkorea und Somalia am schlechtesten ab. „Weltweit haben sich die
politischen Bemühungen zwischen 2009 und 2010 im Bereich des Opferschutzes
und der Prävention zwar insgesamt erhöht. Der Bereich der strafrechtlichen
Verfolgung hat sich hingegen verschlechtert“, sagt Cho.
Der Index staatlicher Maßnahmen gegen den Menschenhandel wird von der
Generaldirektion für Justiz, Freiheit und Sicherheit der Europäischen
Kommission gefördert. Auf der Internetseite <www.human-trafficking-
scho at uni-goettingen.de


