Chinesisches Geld: In Europa / Für Europa

Posted by Günter K.V. Vetter on 18/01/11
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Geld regiert die Welt. Wir müssen hinzufügen – chinesisches Geld, wenn auch es momentan nicht die Yuans sind, sondern Dollar und Euro. Pekings Vertreter bereisen die krisenbedingt ausgeblutete Welt mit einem Koffer voller Geld und machen auf guten Onkel … Während die Finanzfachleute zu zweifeln beginnen, dass Portugal, Spanien oder Griechenland ihre Staatsanleihen verkaufen könnten, erscheinen sogleich die Chinesen und kaufen, was geboten wird. Sie lassen niemanden pleite gehen …
Leider können sich die in Europa verteilten Bonbons als vergiftet erweisen. Darauf hat am Freitag Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy hingewiesen: Seiner Ansicht nach verfolgen die Chinesen mit dem Ankauf von Staatsanleihen einen schlauen Plan, der den EU-Firmen schaden wird. Die Rettung der hinkenden Euroländer stützt nämlich den Kurs der gemeinsamen Währung, was die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Waren steigert, die der europäischen jedoch senkt.
Peking könnte auch in der Frage der Aufhebung des seit 1989 geltenden Embargos auf Waffenlieferungen nach China sowie in 50 Antidumping-Verfahren auf wohlwollendes Entgegenkommen spekulieren. Die chinesischen Firmen zählen auf eine breitere Öffnung des EU-Marktes. Einstweilen hat die Tatsache, dass sie die Aussch reibung für den Bau von zwei Autobahnabschnitten Warschau-Lodsch gewonnen haben, in Brüssel Wut ausgelöst. Seinerseits nämlich blockiert China Europa den Zugang zu den öffentlichen Investitionen zu Hause. Leider sind es die Chinesen, die das Geld haben. Der “alte Kontinent” aber hat Schulden, und deswegen wird es schwer sein, sie in diesem Spiel zu bezwingen.

4 Responses to Chinesisches Geld: In Europa / Für Europa »»

  1. Comment by Mathilde | 2011/01/19 at 09:52:20

    Lieber Herr Vetter,

    Die Taktik hinter der chinesischen Bewegung ist leider vorhersehbar – wie Sie und Herman Van Rompuy es beschreiben.
    Die Frage lautet: In welchem Ausmaß werden sich die Chinesen durchsetzen können? Wird aus Europa das neue Afrika, wo sie bei allen möglichen Ressourcen über eine überwiegende Mehrheit verfügen?

    Die Entwicklungen werden spannend sein!

  2. Comment by Günter K.V. Vetter | 2011/01/19 at 10:12:04

    José Manuel Barroso scheint ein Pechvogel zu sein. Was immer der Präsident der EU-Kommission politisch angreift, geht in der öffentlichen Umsetzung schief. Noch viel häufiger jedoch muss Barroso sich den Vorwurf gefallen lassen, allzu oft untätig zu sein. Vor lauter Hinsichtl und Rücksichtl auf die Interessen der scheinbar allmächtigen Staats- und Regierungschefs, denen er seine Wiederwahl verdankt, schafft er es nicht, dringend nötige europäische Initiativen zu ergreifen, geistig anzuführen. (…)

    Vor ein paar Tagen hat Barroso nun seine Strategie geändert: auf offensiv. Er schlug ein Bündel von – insgesamt sehr sinnvollen – Maßnahmen vor, die den Eurokrisenmechanismus und die Union für die Zukunft wappnen soll. Und wieder passt’s nicht. Nun ist Merkel auf ihn sauer, heißt es in Berlin. Das Ganze war offenbar schlecht abgestimmt. Dabei hat Barroso in der Sache recht: Nur eine Stärkung der EU macht Europa stärker, nicht eine Schwächung.

  3. Comment by David | 2011/01/19 at 14:17:45

    Eine wahre Verstaerkung von Europa hat als Quelle demokratische Untersutzung, nicht Geld. Geld kommt zweitens.

  4. Comment by Mathilde | 2011/01/19 at 16:45:12

    Vielen Dank für Ihre Antwort! Ja eben, aber wäre in dieser Hinsicht José Manuel Barroso ein wirklicher Pechvogel, oder ginge alles schief, von dem, was er angreift, weil er über einen ungenügenden politischen Spielraum verfügte?


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