Epizentrum Südeuropa: Europas Finanzmärkte

Posted by Günter K.V. Vetter on 24/11/10
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Die Beruhigungspillen, die die Politik auf Europas Finanzmärkten verteilt, entfalten keine Wirkung mehr. Das Hilfsangebot der Europäischen Union für die Iren sollte das Beben eigentlich beenden, stattdessen hat sich das Epizentrum nach Südeuropa verschoben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Portugiesen unter den Rettungsschirm schlüpfen. Die nächste Zeitbombe tickt in Spanien. Die Spekulanten treiben die Anleihe-Zinsen nach oben, das Land hat kein Wachstum und ist obendrein noch einer der größten Gläubiger Portugals. Wenn die viertgrößte Volkswirtschaft der EU aber auch noch Zuflucht suchte, hätte die Union keine andere Wahl mehr als den Schirm noch größer zu machen. Ein geordnetes Insolvenzverfahren in Europa scheint notwendiger denn je. Da ist Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem richtigen Weg. Europas Politik muss die Regeln für ein solches Verfahren schnell formulieren und damit ein klares Signal an die Finanzmärkte geben. Erst wenn private Investoren bei der Umschuldung von Staaten mit ins Boot müssen, kehrt Ruhe ein, erst dann wird auch den Spekulanten der Boden für ihre Geschäfte entzogen. Und das ist letztlich im Sinne Europas.

One Response to Epizentrum Südeuropa: Europas Finanzmärkte »»

  1. Comment by Günter K.V. Vetter | 2010/11/24 at 21:56:55

    Privatfirmen sollten nicht über das Schicksal ganzer Staaten entscheiden dürfen. Das ist gerade wieder passiert, indem die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Bonitätsnote Irlands gesenkt hat. Die Bewertungsfirma glaubt, dass die Regierung ihre Schulden nicht in den Griff kriegt. Wer irische Anleihen kauft, müsse künftig eher damit rechnen, dass dieser Staat bankrott geht – ein fatales Fehlurteil.

    Rating-Agenturen haben die vernünftige Aufgabe, Investoren verlässliche Daten darüber zu geben, ob sie ihr Kapital plus Zinsen von den Schuldnern zurückerhalten werden. Deshalb bewerten sie Firmen ebenso wie Staaten. Bei diesen kann das zu großen Problemen führen. Wenn Standard & Poor’s sein Rating senkt, verlangen die Käufer irischer Anleihen höhere Zinsen. Unterm Strich müssen die Steuerzahler zusätzliche Milliarden aufbringen – mehr als ohne Rating-Herabstufung.

    Dabei ist die Begründung des Urteils fragwürdig. Schließlich hat Irland Finanzhilfe beantragt. Die Ausfallwahrscheinlichkeit irischer Staatsanleihen geht deshalb gen null. Höchste Zeit für eine öffentliche, europäische Rating-Agentur.


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