MediaMonitoring:Karpfenteich+USA+Großbritannien

Posted by Günter K.V. Vetter on 26/10/10

Zu den anstehenden Kongresswahlen schreibt THE WASHINGTON POST, die Kandidaten des Repräsentantenhauses und des Senats hätten bei der Beschaffung von Finanzmitteln für den Wahlkampf alle Rekorde gebrochen und würden wohl erstmals die Ausgabenhöhe von zwei Milliarden Dollar überschreiten – dies entspreche ca. vier Millionen Dollar für jeden zu besetzenden Sitz im Kongress.
Der chinesische Telekom-Gigant Huawei dränge auf den US-Markt, schreibt THE NEW YORK TIMES. Innerhalb eines Jahrzehnts habe sich Huawei vom Nachahmer fremder Produkte zu einem Unternehmen entwickelt, das es mit eigenen, innovativen Computer- und Kommunikationsprodukten mit der internationalen Konkurrenz aufnehme. Huawei sei damit eines von zahlreichen chinesischen Unternehmen, die mit technisch höher entwickelten Produkten auf lukrativere Märkte drängten. Im US-Kongress sowie in amerikanischen Sicherheitskreisen habe man aufgrund der engen Verbindungen des Unternehmens zum chinesischen Militär Bedenken gegen das Vordringen auf den US-Markt. Zudem habe Huawei unter Saddam Husseins Regime Kommunikationstechnologie an Iran und Irak geliefert und damit möglicherweise gegen UN-Sanktionen verstoßen.
THE NEW YORK TIMES berichtet, Präsident Obama nehme eine “härtere Haltung gegenüber China” ein und bemühe sich um Verbündete für die Konfrontation mit der selbstbewussten Macht, die wenige Interesse an einer Zusammenarbeit mit den USA bei Themen wie Währung, Handel und Sicherheit habe. Die US-Regierung habe sich von ihrem früheren “beflissenen Eins-zu-Eins-Hofieren Pekings” verabschiedet und bemühe sich nun, mit Chinas nächsten Nachbarn und entlegenen Handelspartnern eine vereinte Front bei heiklen Themen wie der Währungsfrage sowie den territorialen Forderungen des Landes im Südchi nesischen Meer aufzubauen. Vorteile wie Grenzen des neuen Ansatzes seien am vergangenen Wochenende beim Treffen der G20 in Südkorea deutlich zu sehen gewesen.
Laut THE NEW YORK TIMES hat der afghanische Präsident Karsai am gestrigen Montag auf einer Pressekonferenz eingeräumt, dass er regelmäßig “Taschen mit Bargeld” von der iranischen Regierung erhalte. Diese Tatsache und seine rhetorischen Angriffe auf die USA trügen zu einer weiteren Spaltung zwischen seiner Regierung und ihren Partnern in den USA und der NATO bei. Die Beziehungen zu den USA seien trotz aller diplomatischen Bemühungen um Besserung “schlimm zerfasert”. Die Spannungen drohten zudem, Präsident Obamas Ziel zu untergraben, die Verantwortung für den Krieg gegen die Taliban an Karsai und das afghanische Militär zu übergeben und mit dem US-Truppenabzug im kommenden Jahr zu beginnen. THE WASHINGTON POST ergänzt, Karsai habe mit einer erneuten Attacke gegen die Rolle von Sicherheitsfirmen in Afghanistan die Konfrontation mit der NATO verschärft. Karsai stehe nun unter intensivem Druck. US-Außenministerin Clinton habe gewarnt, dass Milliarden Dollar aus Entwicklungsprogrammen sowie Tausende afghanischer Arbeitsplätze in Gefahr seien.
Zur Veröffentlichung von Dokumenten zum Irakkrieg durch die Internetplattform Wikileaks meint THE WASHINGTON POST in einem Editorial, die Veröffentlichung von wichtigen Regierungsinformationen sei grundsätzlich begrüßenswert. Die “rücksichtslose und politisch motivierte Vorgehensweise von Julian Assange” habe jedoch wenig Licht ins Dunkel gebracht, gleichzeitig aber greifbaren Schaden angerichtet.
Nostalgie nach der fügsamen Türkei aus den Tagen des Kalten Krieges” stehe in Washington hoch im Kurs, schreibt Roger Cohen in THE NEW YORK TIMES. Beim gegenwärtigen türkischen Außenminister Davutoglu sei davon nichts zu spüren. Er werde als Mann hinter der “Ostannäherung” der Türkei, als Freund Irans und Feind Israels, als wankelmütiger NATO-Ver bündeter sowie als Architekt des neuen türkischen Status als “Liebling der arabischen Staaten” angesehen. Der Westen habe die Türkei in kurzsichtiger Weise aus der EU herausgehalten – er habe wohl kaum das Recht zu jammern. Die Türkei befinde sich mit einem Fuß außerhalb des westlichen Zeltes und sei zunehmend stolz auf das, was sie erreicht habe in einer umgestalteten Welt. Wenn Washington seine Kränkung überwinden könne, könne die Türkei für den Westen die Brücke zur muslimischen Welt darstellen. Die neue Türkei werde weder die NATO noch das amerikanische Bündnis aufgeben: Wenn die NATO mit den Taliban oder der Westen mit Iran sprechen wolle, dann könne die Türkei helfen.
“Anti-muslimische Stimmung treibt den rechten Flügel in Europa voran”, schreibt THE WASHINGTON POST in einer Analyse. Anders als in den USA, wo Latinos die Einwanderungsdebatte dominierten, richteten sich in Europa der Fokus sowie die “Angst” zunehmend auf Muslime – Türken, Iraker, Somalier und andere. Dies wirke sich in Ländern wie Österreich oder Deutschland, in den Niederlanden wie in Skandinavien auf Wahlen und Standpunkte der führenden Politiker aus. Bundeskanzlerin Merkels Aussage vom Wochenende, die multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, wird dabei erneut erwähnt.
In gleichlautenden AP-Berichten befassen sich THE NEW YORK TIMES sowie THE WASHINGTON POST mit dem jüngsten Bericht über die Verwicklung des Auswärtigen Amtes in die Gräueltaten der Nazis, die viel tiefer gehe als bislang bekannt. Entgegen der Bemühungen von Amtsmitarbeitern, das AA als Ort der Opposition während des Dritten Reichs darzustellen, hätten sich Diplomaten in der Tat bereitwillig an der Nazikampagne gegen die Juden beteiligt. Bundesaußenminister Westerwelle wolle den Bericht zur Pflichtlektüre für alle angehenden Diplomaten machen. THE WALL STREET JOURNAL ergänzt, damit falle der Schatten des Holocaust nun auch auf eine Bastion des deutschen Establishments, die lange Zeit einer genaueren Untersuchung ihrer Vergangenheit habe entg ehen können.
Auf der Suche nach einem Rezept für Wirtschaftswachstum, so THE WALL STREET JOURNAL, sollte man auf Deutschland, seine “erstaunliche Renaissance” und die Wirtschaftsentwicklung der letzten zwanzig Jahre blicken. Das Land habe besser als andere Euroländer seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Und die Agenda 2010 habe die Arbeit liberalisiert – aufgrund der Doppelstruktur in Unternehmensführungen oftmals ohne Konflikte. Mit dieser Flexibilität habe die deutsche Wirtschaft rasch auf die Krise reagieren können, und auf die geringe deutsche Arbeitslosenquote sei die ganze Welt neidisch. Mit seinem jetzt wieder stärker werdenden Konsumklima könnte das Land zur Lokomotive der Eurozone werden. Aber auch außerhalb des Euroraums sollten die Lehren aus Deutschland gehört werden.
Angesichts der deutsch-französisch-russischen Annäherung in der letzten Zeit fragt John Vinocur in THE NEW YORK TIMES, ob die USA Europa an Russland verlieren könnten. Die jüngsten europäischen Initiativen seien geeignet, die NATO auf Distanz zu halten. Zudem könnten sie es für Russland einfacher machen, die Europäer gegen die USA bzw. NATO und EU gegeneinander auszuspielen. Europa fühle sich von Präsident Obama vernachlässigt; so habe er bei einer Feier zum Gedenken an das Ende des Kalten Krieges gefehlt und ein EU-Treffen abgesagt. Auch sei Amerika in den Augen der Europäer in zunehmendem Maße abhängig von Russland – wegen der Nachschubwege nach Afghanistan und der Iran-Politik; Kritik der USA an Russland gebe es kaum noch. Daher und aufgrund des “Neustarts” in den amerikanisch-russischen Beziehungen fühlten sich die Europäer frei, die Veränderungen nach eigener Vorstellung zu interpretieren.

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  1. Comment by Günter K.V. Vetter | 2010/10/26 at 18:56:54

    Die Konservativen haben ihren Vorsprung vor der Labour Party eingebüßt, zeigt eine im Auftrag von THE TIMES durchgeführte Populus-Umfrage. Nach den größten Ausgabenkürzungen im öffentlichen Dienst seit einer Generation liege Labour jetzt bei 38 Prozent (+1), die Konservativen bei nur noch 37 Prozent (-2), und die Liberaldemokraten bei 15 Prozent (+1). David Camerons Regierung sei es nicht gelungen, die Wähler zu überzeugen, dass die Ausgabenkürzungen fair und notwendig seien, so THE TIMES. Eine Mehrheit meine auch, dass die Koalition mehr als nötig kürze. Vorherrschende Ansicht sei, dass Arbeitslose, die Streitkräfte, Behinderte und Pendler am stärksten betroffen seien, während die Reichen und die Banken am wenigsten getroffen würden.
    Ein anderes Bild zeichnet eine ICM-Umfrage im Auftrag von THE GUARDIAN. Zwar würden die Kürzungen als “unfair” angesehen, dennoch lägen die Konservativen mit 39 Prozent in Führung vor der Labour Party mit 36 Prozent. Die Liberaldemokraten erhielten 16 Prozent (-1). In der Frage der Wirtschaftskompetenz schneide die Regierung mit deutlichem Vorsprung vor Labour ab, was die Regierung mit Erleichterung aufnehmen dürfte.
    Premier Camerons gestrige (25.10.) Rede auf der Jahrestagung des britischen Wirtschaftsverbandes CBI ist überall Thema. Cameron habe eine “Wachstumsstrategie” ausgeführt, die FINANCIAL TIMES zufolge aus drei Elementen besteht: den richtigen Rahmen für Wirtschaftsinvestitionen zu schaffen, Ressourcen in Bereiche zu lenken, in denen Großbritannien einen Wettbewerbsvorteil habe – wie bei der Windtechnologie -, und bessere Bedingungen für neue Unternehmen und Innovationen zu schaffen. 200 Millionen Pfund sollten in ein nach dem Vorbild der deutschen Fraunhofer-Institute gebildetes Netz von “Technologie-Innovations-Zentren” investie rt werden. Großbritanniens “erster nationaler Infrastrukturplan” werde darauf abzielen, 200 Milliarden Pfund an staatlichen und privaten Geldern in die Modernisierung britischer Eisenbahnen, Straßen und Häfen zu investieren. Weitere 60 Millionen Pfund sollten der Privatwirtschaft helfen, in britischen Häfen die Infrastruktur für Offshore-Windkraft zu entwickeln.
    FINANCIAL TIMES zufolge ist Camerons “Wachstumsstrategie” bei der CBI-Jahrestagung zwar begrüßt worden, doch hätten die Wirtschaftsvertreter das Fehlen eines schlüssigen Plans kritisiert. Die Wirtschaft wolle mehr Einzelheiten dazu, wie die Regierung die Prioritäten bei den Mitteln setzen, Barrieren abbauen und Anreize für das Wachstum der Privatwirtschaft schaffen würde. THE TIMES und FINANCIAL TIMES greifen die von Wirtschaftsvertretern und auch von Wirtschaftsminister Cable geäußerte Besorgnis auf, dass die von der Regierung geplante Einführung einer Obergrenze bei der Einwanderung aus Nicht-EU-Ländern zu einer Abwanderung von Forschung und Arbeitsplätzen ins Ausland führen könnte. Premier Cameron habe in seiner Rede “angedeutet”, dass die Regierung in dieser Frage flexibel und zu Zugeständnissen bereit sei. Sie werde nicht verhindern, dass die Wirtschaft “die besten Talente aus aller Welt holt”. Wenn die Regierung erneutes Wachstum in Großbritannien wolle – kommentiert THE TIMES -, müsse sie den Arbeitgebern freie Hand geben. Das schließe auch ein, dass sie einstellten, wen sie wollten.
    Der Labour-Parteivorsitzende Ed Miliband, der gestern ebenfalls eine Rede bei der CBI-Jahrestagung hielt, habe der Regierung vorgeworfen, sie spiele ein “riskantes Spiel” mit der Wirtschaft, wird überall berichtet. Tiefgreifende Kürzungen würden Hunderttausende von Arbeitsplätzen vernichten und die Wirtschaft bremsen. THE TIMES macht mit einem geheimen “Strategie-Papier” der Labour Party auf. Daraus gehe hervor, dass Schatzkanzler Osbornes Ausgabenkürzungen nicht viel größer seien als die, die Alistair Darling vorgeschlagen habe.
    “Demütigen, ausziehen, drohen: die britische Art des Verhörs” – mit dieser Schlagzeile macht THE GUARDIAN auf. Das Blatt berichtet exklusiv und ausführlich über die in den britischen Streitkräften entwickelte Ausbildung in Verhörpraktiken, die einen offensichtlichen Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellten.
    Großbritannien und die Schweiz hätten sich gestern (25.10.) auf die Aufnahme detaillierter Steuerverhandlungen geeinigt, wird überall berichtet. Die Schweiz habe sich bereit erklärt, Großbritanniens Bemühungen zu unterstützen, im Ausland angelegtes britisches Geld zu versteuern, wobei das Schweizer Bankgeheimnis jedoch gewahrt bleibe. THE GUARDIAN sieht unerwartete Einnahmen für den britischen Fiskus von einer Milliarde Pfund voraus.
    Präsident Karsai habe auf einer Pressekonferenz bestätigt, dass er von der iranischen Regierung “Taschen voller Geld” erhalte, wird überall berichtet. Es handele sich um Beträge von bis zu 625.000 Pfund im Jahr, mit denen er Regierungsausgaben bezahle, so Karsai. Mit der Annahme von iranischem Geld – so THE TIMES/Leitartikel in einer vernichtenden Kritik – bestätige Karsai, dass er für das Amt ungeeignet und ein Hindernis für eine politische Lösung sei.
    Wie THE GUARDIAN berichtet, wird Premier Cameron beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag (28./29.10.) seine Bereitschaft andeuten, die Forderung Deutschlands nach einer Neuverhandlung des Lissabon-Vertrages mit der Forderung Großbritanniens nach einem Einfrieren des EU-Haushalts zu verknüpfen.
    EU-Handelskommissar Janusz Lewandowski hat in THE DAILY TELEGRAPH erklärt, seine Pläne zur Finanzierung der EU durch direkte Steuern würden “heilige” Elemente der nationalen Souveränität berühren und müssten in jedem Land “ratifiziert” werden. Dies würde die britische Regierung dazu zwingen, ein Referendum durchzuführen, so das Blatt.
    Frankreich und Deutschla nd hätten in der vorigen Woche Einigkeit an den Tag gelegt, als sie sich auf eine Verwässerung neuer Haushaltsregeln für die EU-Staaten geeinigt hätten, schreibt FINANCIAL TIMES. Ihre Differenzen in der Frage, wie in einer künftigen Krise wie der Griechenlands umzugehen sei, drohten jedoch die Beziehung erneut unter Druck zu setzen.
    THE DAILY TELEGRAPH berichtet über die Warnung der Ratingagentur Standard & Poor’s, dass das starke Wirtschaftswachstum Deutschlands die zunehmende Kluft zwischen Nord und Süd in der Eurozone verschärfe und die EZB möglicherweise zwinge, die Geldpolitik anzuziehen, lange bevor die hochverschuldeten Staaten dazu bereit seien.
    FINANCIAL TIMES berichtet von der Warnung des Bundesverbandes deutscher Banken an die Politiker, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Banken durch übermäßige Regulierung aufs Spiel zu setzen.
    Der gestern (25.10.) veröffentlichte Bericht der Historikerkommission über die Verwicklung deutscher Diplomaten in den Holocaust ist Thema eines Berichts in THE GUARDIAN.


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