Hartz 4 in Deutschland

Posted by Günter K.V. Vetter on 19/03/10
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Zehn Gebote zur Verbesserung von Hartz-IV/ALG-II

1. Du sollst allen, die sozialversicherungspflichtig arbeiten, für jedes Arbeitsjahr einen auf das Doppelte erhöhten Anstieg des Schonvermögens (1.500 € statt 750) gewähren, das sie im Falle der späteren Arbeitslosigkeit behalten dürfen. Wer über einen längeren Zeitraum sozialversicherungspflichtig gearbeitet und verhältnismäßig sparsam gelebt hat, muss damit rechnen, dass er im Falle längerer Arbeitslosigkeit Teile seines Gesparten verfrühstücken muss, bevor er überhaupt vom JobCenter als Kunde akzeptiert wird. Die Ungerechtigkeit besteht also nicht darin, dass er nach einer Zwischenzeit von ALG I auf das Niveau von ALG II herunterfällt, sondern dass er tatsächlich gar nichts bekommt und nicht einmal vom JobCenter vermittelt wird. Die Angst desjenigen, der lange sozialversicherungspflichtig arbeitet, einmal unter das Niveau des Dauerarbeitslosen zu fallen, soll durch den für jedes Arbeitsjahr verdoppelten Anstieg des Schonvermögens gemildert werden.

2. Du sollst alle Langzeitarbeitslosen durch ein Programm der Anerkennung in die bürgerliche Gesellschaft (re)integrieren: Vermittlung auf eine maßgeschneiderte Arbeitsstelle nach Wunsch, partnerschaftlich begleitet durch denjenigen, dessen Arbeitsplatz nach 6-12 Monaten übernommen werden kann. Viele Langzeitarbeitslose leiden nicht nur an ihrem Ausbildungsdefizit, sondern auch an einer schematischen und unfruchtbaren Arbeitsvermittlung im JobCenter. Da die meisten aber dennoch arbeiten wollen und auch können, gebietet es die Menschenwürde, dass ihnen individuell geholfen wird: Jeder Langzeitarbeitslose soll drei realistische Wünsche äußern, das JobCenter soll alles Menschenmögliche tun, um einen dieser Wünsche zu erfüllen, kleine bürokratische Hürden müssten dabei übersprungen werden – wie das bei anderen Quereinsteigern auch schon üblich ist.

3. Du sollst Weiterbildung eines Langzeitarbeitslosen in Abstimmung mit dem Arbeitsplatz-Partner finanzieren und nur gezielt auf etwaige Probleme ausrichten wie z.B. den Umgang mit Geld, Drogen, Alkohol oder Zigaretten. Darüberhinaus kann und soll das Nachholen eines Schulabschlusses immer gefördert werden.

4. Du sollst dem Arbeitslosen die Möglichkeit eröffnen, die Hälfte dessen selber zu behalten, was er durch Arbeit dazuverdient. Diese Regel soll bis zum Erreichen eines Verdienstes gelten, der vom Arbeitslosengeld gänzlich unabhängig macht. Die Möglichkeit des Dazuverdienens soll einfach und verhältnismäßig unbürokratisch gestaltet werden, um auch für potenzielle Schwarzarbeiter attraktiv zu bleiben.

5. Du sollst den Erwachsenensatz dieses Arbeitslosengeldes – wegen der Möglichkeit des Dazuverdienens durch Arbeit (siehe 4.) – unter dem Sozialgeld ansiedeln.

6. Du sollst in die Höhe des Arbeitslosengeldes keine Summen für Alkohol oder Zigaretten einrechnen. Stattdessen sollen die Kommunen den Arbeitslosen Gutscheine für (fast) kostenlose Teilnahme an Bildungs- und Kulturveranstaltungen bzw. entsprechende Bürgerpässe geben (wie in Berlin). Die Details sind in der Kommune festzulegen.

7. Du sollst Kindern von Arbeitslosen Gutscheine geben für kostenlose Mitgliedschaft in Sportvereinen und Musikschulen, für kostenlosen Sprachunterricht in deutscher Sprache, für Essen in der Schule und Fahrtkosten zur Schule. Die Details sind in der Kommune festzulegen.

8. Du sollst – komplementär zu diesen Veränderungen – die konsequente Weiterentwicklung der Grundschule zur Ganztagsschule fördern. Nur bei einer ganztägigen Betreuung kann sichergestellt werden, dass auch benachteiligte Kinder die gleiche Chance haben, die Schule am Ende als ausbildungsfähig zu verlassen. Nach dem Berufsbildungsbericht 2010 der Bundesregierung gelten offenbar 47,3 % aller Jungendlichen als nicht ausbildungsreif.

9. Du sollst – ebenfalls komplementär – die Kinderbetreuung von alleinerziehenden Müttern und Vätern fördern.

10. Wenn du allen diesen Geboten Genüge getan hast, sollst du das ALG II in Bürgergeld umbenennen.

2 Responses to Hartz 4 in Deutschland »»

  1. Comment by Günter K.V. Vetter | 2010/03/19 at 22:49:11

    Auch bei Dementis gibt es solche und solche. Dass ein Vorziehen der Steuerreform am Sonntag nicht auf der Tagesordnung beim Treffen der Chefs von Union und FDP steht, ist gewiss korrekt. Nur, es ist die halbe Wahrheit. Denn solche Runden sind immer informell, und der Bayer Horst Seehofer ist so frei, die “Light-Version” einer Steuerreform ins Spiel zu bringen.

    Kein Zweifel, die Steuerdebatte gerät in Bewegung. Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble sollten dringend ein Machtwort sprechen. Sie dürfen die Debatte nicht laufen lassen. Die Botschaft an die FDP sollte klar sein: Lieber einen Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Lieber eine kleine Steuersenkung als gar keine.

    Der 9. Mai wird zum Fluch. Mit Rücksicht auf Jürgen Rüttgers und die NRW-Wahl hat die Koalition wenig getan. Darob hat sich eine Spekulationsblase gebildet. Inzwischen traut man Schwarz-Gelb nach dem Wahltag alles zu: jede Härte, jede Sparaktion. Union und FDP haben sich in ein strategisches Dilemma manövriert. Auch wenn die Steuern nicht auf der Agenda stehen, so ist Seehofer gut beraten, es bei Merkel und Westerwelle anzusprechen. Ein Gewinnerthema – Steuern senken – wurde zur Belastung.

  2. Comment by Peter Lustig | 2010/03/20 at 15:59:12

    Mit Hartz 4 kann man in Deutschland verglichen mit den Verdiensten in den Philippinen wie ein König leben. Okay, hier sind Mieten und Lebensmittelpreise höher, aber wenn man bedenkt, was man mit Harz IV alles umsonst bekommt (KEINE GEZ), dann ist das Netto-Einkommen der Hartz IV Leute teilweise höher, als von Menschen die arbeiten gehen und das kann ja auch nicht ganz normal sein?


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