Export Germany
Frankreich geht es darum, dass Deutschland, das in den vergangenen zehn Jahren beträchtliche Produktivitätsfortschritte erzielt habe, die entsprechenden Gewinne anders verteile. Mehr “europäische Konvergenz” sei gefragt. Fragt sich, in welche Richtung. Während in Ländern wie Frankreich, Spanien und Griechenland die Arbeitskosten in den vergangenen fünfzehn Jahren nämlich um 35, 45 bzw. 65 Prozent gestiegen sind, lautet der entsprechende Wert für Deutschland bloß 5 Prozent.
Wer indessen Deutschland wegen seines Erfolgs auf den Exportmärkten aufs Korn nimmt, begeht gleich einen dreifachen Denkfehler. Das größte EU-Land erzielt zwar vier Fünftel seiner Außenhandelsüberschüsse mit den EU-Staaten. Doch im Wettbewerb steht es nicht nur mit diesen, sondern mit der Welt, darunter mit dem aufstrebenden asiatischen Raum. Eher seltsam mutet schließlich an, dass man sich in einem zunehmend global geprägten Wettbewerb in der EU nicht am Beispiel der Erfolgreichen, sondern am Rückstand der anderen orientieren soll.
Christine Lagarde fordert – zum allgemeinen Wohl – von Deutschland, seinen Binnenkonsum zu erhöhen, anstatt alles auf den Export zu setzen. Doch dies ist genauso unpassend wie gestern die Schmährede Angela Merkels vor dem Bundestag. Die Kanzlerin beharrt auf den “klassischen” wirtschaftlichen Tugenden. Sie lässt Griechenland am langen Arm verhungern, droht sogar, ihm den Euro wegzunehmen – an dem die Deutschen heute so hängen wie einst an der Mark – und sie stempelt die Griechen als Klassenletzte ab …
Diese Äußerungen haben in Paris und Berlin den Bogen überspannt. Ganz subtil scheinen die deutsch-französischen Auseinandersetzungen den nationalen Egoismus der 27 Mitgliedstaaten zu schüren.


