EU-Marokko-Gipfel
Der Westsahara-Konflikt und die damit verbundenen Menschenrechtsprobleme müssen Thema auf dem EU-Marokko-Gipfel sein. Die Westsahara erlebt einen der letzten postkolonialen Konflikte. Für die über 150.000 Flüchtlinge muss endlich eine humanitäre Lösung gefunden werden. Marokko muss lernen, dass beim Umgang mit Dissidenten die Grundsätze des Rechtsstaates nicht außer Kraft gesetzt werden dürfen. Der Hungerstreik von Amanitou Haidar hat im vergangenen Dezember den Finger in diese Wunde gelegt. Die EU darf drei Monate später nicht einfach zum wirtschaftspolitischen Tagesgeschäft übergehen.
Die EU muss im Westsahara-Konflikt endlich zu einer gemeinsamen Position finden. Frankreich steht als traditioneller Fürsprecher Marokkos einer Ausweitung der MINURSO-Mission der Vereinten Nationen entgegen. Doch selbst der eigentliche Zweck der Mission, die Abhaltung eines Referendums über die Unabhängigkeit, wurde in fast 19 Jahren nicht erreicht. Die nationalen Interessen müssen jedoch zurücktreten, wenn es um den Schutz elementarer Menschenrechte geht.
Die Bundesregierung übt sich in vornehmer Zurückhaltung. Sie hat aber die humanitäre Pflicht, an der Lösung des Westsahara-Konflikts aktiv mitzuarbeiten. Sowohl gemeinsam mit den Partnern der EU-Mitgliedsstaaten, als auch im bilateralen Verhältnis zu Marokko.


