KARPFENTEICH

Wer die Debatte in der EU in den letzten Jahren verfolgt hat, wird sich verwundert die Augen gerieben haben: Angela Merkel plädierte vehement und in demonstrativer Eintracht mit Sarkozy für eine europäische funktionierende Wirtschaftsregierung. Der Franzose hat solche Pläne allerdings mit Bezug allein auf die Mitglieder der Eurozone schon immer betrieben. Aus Berlin kam aber bislang ein striktes Nein aus der nicht ganz unbegründeten Angst heraus, dass das nur ein Vorwand sei, um die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank zu unterlaufen.
Das Umdenken in Berlin hängt mit der weltweiten Finanzkrise und dem Griechenland-Debakel zusammen. Die Wirtschaftswelt ist heute so vernetzt, dass sich Deutschland allein nicht gegen die Probleme, und seien sie von anderen verschuldet, stemmen kann. Der Quasibankrott Griechenlands wurde nur möglich, weil die EU nicht über genügend Power verfügte, um die Tricksereien der Helenen aufzudecken und zu verhindern… Deutschland verliert etwas an Souveränität, gewinnt aber mehr Einfluss auf den Gang der gemeinsamen Dinge.

Wer sagt, dass es in diesem und jenem Trauerspiel in Berlin keine Sieger und Verlierer gibt, der irrt! Es gibt gleich drei Verlierer: Steinbach, den Bund der Vertriebenen und das geplante sichtbare Zeichen, wobei über das Erinnerungs- und Dokumentationszentrum ja schon lange keiner mehr spricht…
Steinbach musste kapitulieren und hat dafür im Gegenzug drei Stühle und ein paar Quadratmeter Ausstellungsfläche mehr bekommen. Das als Sieg zu verbuchen, dokumentiert einmal mehr, in welchen Sphären sich die Vertriebenenpräsidentin bewegt. Sie hat den Blick für die Realität längst verloren…
Steinbach wäre gut beraten, den Weg für Jüngere frei zu machen… Der eigentliche Verlierer im unwürdigen Politpossenspiel der vergangenen Monate ist die geplante Ausstellungs- und Dokumentationsstätte im Deutschlandhaus. Polnische Historiker haben verständlicherweise jede Lust verloren, sich an einem Projekt zu beteiligen, dass von Politikern und profilneurotischen Verbandsfunktionären längst gegen die Wand g efahren worden ist…
Steinbach hat bisher nicht zu erkennen gegeben, dass ihr an Versöhnung gelegen ist. Solange die CDU-Politikerin die Stimme des Bundes der Vertriebenen ist, wird das sichtbare Zeichen zwischen Deutschen und Polen stehen, ohne zu verbinden.

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