Spaltpilz von 28

Posted by Günter K.V. Vetter on 30/07/14

Es war ein mühsamer, nein, ein quälender Prozess. Seit März ringt die Europäische Union um den richtigen Kurs gegenüber der aggressiven Ukraine-Politik Russlands. Viel zu lange fand die EU keine überzeugende Antwort auf die ständigen Provokationen aus Moskau. Trotz der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, trotz der militärischen Aufrüstung der pro-russischen Separatisten, trotz der offenkundigen Hinhaltepolitik durch den Kreml. Viele haben deshalb wohl nicht mehr damit gerechnet, dass sich die EU tatsächlich noch zu echten Sanktionen durchringen kann…

Darauf hat auch lange Wladimir Putin spekuliert. Auf den Spaltpilz von 28 unterschiedlichen Interessen. Die Franzosen, die um ihre Rüstungsgeschäfte bangen; die Deutschen, die um ihre Exporte fürchten; die Südeuropäer, die an den russischen Öl- und Gaslieferungen hängen und die Briten schließlich, die auch weiterhin mit den russischen Banken gute Geschäfte machen wollen. Doch der mutmaßliche Abschuss von MH17 über der Ostukraine und das menschenverachtende Auftreten der Separatisten, gedeckt durch Moskau, waren aus europäischer Sicht eine Zäsur. Spätestens hier wurde selbst den Zauderern in Berlin, Rom und Paris klar: Die EU muss handeln, wenn sie nicht ihr Gesicht, ihren restlichen außenpolitischen Einfluss endgültig verspielen will.

Es ist für die Europäer sicherlich eine bittere Lehrstunde in Sachen Außenpolitik. Die Befürworter des bisherigen Kurses werden argumentieren, man habe bis zuletzt alles versucht, um den Konflikt diplomatisch und im Dialog zu lösen. Aus Sicht der Kritiker waren die Europäer viel zu zögerlich, war erst ein Abschuss eines Verkehrsflugzeuges mit fast 300 Toten notwendig, um die EU zum Einlenken zu bewegen. Und selbst jetzt werden die Wirtschaftssanktionen nicht konsequent verhängt. Bereits abgeschlossene Rüstungsgeschäfte sollen von der neuen Entschlossenheit der Europäer ausgeklammert bleiben, aus Rücksicht auf französische Interessen.

Letztlich bleibt man sich also an manchen Stellen weiter treu und geht doch ganz neue Wege. Niemand kann derzeit seriös vorhersagen, wie sich dieser Konflikt mit Russland, der nun eine neue Sanktionsstufe erreicht, weiter entwickeln wird. Und ob die Europäer einig genug sind, um auch dem sicherlich wachsenden Gegendruck aus Moskau standzuhalten. Doch zunächst einmal gilt: Die EU geht mit den heutigen Strafmaßnahmen ein beträchtliches Risiko auch für die eigene Wirtschaft ein, um Moskau doch noch zur Vernunft zu bringen. Damit beweisen die 28 Staats- und Regierungschefs am Ende eine gehörige Portion Mut und die Entschlossenheit, die ihnen viele schlicht nicht mehr zugetraut haben. Europa hat seine vermutlich letzte Chance gerade noch genutzt und endlich auch außenpolitisch Handlungsfähigkeit bewiesen.

Milliarden Euro und tausende Arbeitsplätze

Posted by Günter K.V. Vetter on 29/07/14

Noch nie waren die Chancen auf Verhängung von Wirtschaftssanktionen so groß wie in diesem Moment. Zwar haben sie keinen totalen Charakter, sondern betreffen nur Sektoren, und auch nicht den größten, den Gasbereich. Doch sie beweisen, dass die EU zum ersten Mal bereit zu einem wirtschaftlichen Risiko ist…. Noch nie war Europa so nahe daran, viele Milliarden Euro und tausende Arbeitsplätze zu verlieren, um zu zeigen, dass es sich doch an seinen Werten orientiert. Dass Recht, Freiheit, Demokratie und Würde etwas bedeuten und die Aggression des Stärkeren nicht toleriert werden darf.

28 EU-Staaten

Posted by Günter K.V. Vetter on 29/07/14

Wladimir Putin hat 28 EU-Staaten gegen sich aufgebracht. 28 Staaten mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen, aber, wie es aussieht, einem politischen Willen: die Annexion der Krim, das Schüren des Krieges in der Ost-Ukraine und die Mitverantwortung Russlands für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine nicht unbeantwortet zu lassen, allen ärgerlichen Einschränkungen, wie dem Ausscheren Frankreichs in der Frage eines Waffenembargos zum Trotz. Man kann Sanktionen kritisieren. Man kann aber auch die Frage stellen, die sich aufdrängt: Was wäre der Preis des Stillhaltens?

Unstatistik des Monats: Unfug aus Luxemburg: Gesundes Altern?

Posted by Günter K.V. Vetter on 28/07/14

Laut dem Statistischen Amt der EU in Luxemburg leben Frauen in Deutschland
im Durchschnitt 83 und etwa in Bulgarien nur 71 Jahre lang. Davon
verbringen sie in Bulgarien aber 66 Jahre, in Deutschland nur 58 Jahre
gesund. Diese und ähnliche Statistiken werden immer wieder durch die
Medien ungeprüft verbreitet, zuletzt in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15.
Juli 2014 unter dem Titel „Langes Leben, gesundes Leben“, sind aber aus
mindestens zwei Gründen falsch.

Erstens gibt die als Lebenserwartung genannte Zahl keinesfalls, wie oft
behauptet, die durchschnittliche Lebenszeit von heute geborenen Menschen
an. Sie sagt allein: Wenn alle altersspezifischen Mortalitätsraten
(Todesfälle pro Altersklasse pro Zeit) auch in Zukunft so bleiben wie sie
heute sind, dann lebt ein heute geborenes Mädchen in Deutschland im Mittel
83 Jahre. Da diese altersspezifischen Mortalitätsraten aber vermutlich
weiter abnehmen werden, leben heute geborene Kinder im Durchschnitt
weitaus länger. Dieser Effekt wird in der amtlichen Statistik durchaus
anerkannt (man spricht hier von „Periodensterbetafeln“), auch
Lebensversicherer berücksichtigen ihn bei ihrer Prämienkalkulation.

Zweitens wird die Zahl der gesund verbrachten Lebensjahre, der sogenannte
Healthy Life Years-Indikator, aus Umfragen geschätzt. Da aber die
Befragten selbst bewerten, ob sie in den letzten sechs Monaten vor der
Befragung aus Krankheitsgründen in ihren üblichen Betätigungen behindert
waren, sind diese Zahlen international nicht vergleichbar. Denn was als
krank oder als eine Behinderung gilt, variiert beträchtlich – auch
aufgrund kultureller Unterschiede – über Raum und Zeit. So ist aus
zahlreichen empirischen Untersuchungen bekannt, dass sich Menschen auf dem
Land von leichtem Fieber oder Rückenschmerzen kaum behindert führen,
Menschen in der Stadt dagegen wohl.

Ohne objektives Messsystem sind die EU-Zahlen zur gesunden Lebenserwartung
aber nicht belastbar und damit für eine international vergleichbare
Beurteilung von wenig Wert.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-3125

Erste E-Mail erreichte Deutschland vor 30 Jahren

Posted by Günter K.V. Vetter on 28/07/14

Sie ist das zentrale Kommunikationsmittel unserer Zeit: die E-Mail.
Schnell und günstig lassen sich weltweit kurze Nachrichten ebenso
austauschen wie große Datenpakete. Die erste E-Mail erreichte Deutschland
an der damaligen Universität Karlsruhe (TH), dem heutigen Karlsruher
Institut für Technologie, vor 30 Jahren. Sie stellte erstmals über das
Internet eine Verbindung zwischen dem amerikanischen Netzwerk CSNET
(Computer Science Net) und dem neuen Karlsruher CSNET-Server her.

Am 3. August 1984 um 10:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit landet die erste
direkte E-Mail Deutschlands aus dem ARPANET, dem Vorläufer des Internet,
in den Postfächern von Professor Werner Zorn, Leiter der Informatik-
Rechnerabteilung (IRA), und seinem damaligen Mitarbeiter Michael Rotert.
Mit den Worten “This is your official welcome to CSNET. We are glad to
have you aboard“, begrüßt die US-Amerikanerin Laura Breeden, Mitarbeiterin
des CSNET Koordinations- und Informationszentrums bei Bolt Beranek &
Newman (BBN) in Boston, die neuen deutschen Mitglieder des Netzwerks und
erklärte damit offiziell die Betriebsbereitschaft des deutschen Servers.

„Die erste E-Mail in Karlsruhe war der Vorbote einer enormen
technologischen und gesellschaftlichen Veränderung,“ sagt Professor Holger
Hanselka, Präsident des KIT. „Die schnelle Kommunikation hat unsere Welt
zusammenwachsen lassen und den grenzüberschreitenden Austausch von Ideen
und Perspektiven ermöglicht. Ein gelungenes Beispiel von Forschung und
Technologietransfer, die unseren Alltag erreichen.“

Zwar wurden in Deutschland bereits vor dem August 1984 E-Mails versendet
und empfangen, bei der Karlsruher Nachricht handelt es sich jedoch um die
Erste, die an einen eigenständigen deutschlandweit verfügbaren E-Mail-
Server über das Internet ging. Zuvor mussten sich die Nutzer telefonisch
in amerikanische Computer einwählen. CSNET war ein in den frühen 1980er-
Jahren in den USA entwickeltes Computer-Netzwerk, in dem sich verschiedene
US-Hochschulen zusammengeschlossen hatten, um die Kommunikation zwischen
den Wissenschaftlern zu erleichtern. Israel und Deutschland waren die
ersten Nationen, die bereits 1984 an das CSNET angeschlossen waren.

Damals war es noch nicht abzuschätzen, wie rasant sich die E-Mail zu einem
der wichtigsten Kommunikationsmedien entwickeln würde. Die wirtschaftliche
Bedeutung habe damals niemand einschätzen können. “Wir haben das aus
Entdeckerfreude gemacht und nicht an Geld gedacht”, sagt Zorn,
mittlerweile Universitätsprofessor im Ruhestand und Mitglied der Internet
Hall of Fame. „Zwar haben Zeitungen damals darüber berichtet, aber es lief
eher unter dem Label ,Exotenwissenschaft‘.“

Zorn als Gesamtverantwortlicher des CSNET-Dienstes für die Domäne
„germany“ („administrative liaison“, heute „admin-c“) und Michael Rotert
als Betreuer des CSNET-Mailservers („technical liaison“, heute „tech-c“)
waren somit ab dem 3. August 1984 weltweit unter den Mailadressen
„zorn@germany.csnet“ und „rotert@germany.csnet“ erreichbar. Mit dieser
ersten E-Mail fiel in Karlsruhe der Startschuss für die heute so
selbstverständlich und flächendeckend genutzte „Elektronische Post“. Der
Grundstein dazu wurde bereits Ende 1982 mit dem Projektantrag
„Interkonnektion von Netzen“ gelegt, in welchem Zorn dem
Bundesforschungsministerium (BMFT) vorschlug, das geplante Deutsche
Forschungsnetz (DFN) frühzeitig an das US- amerikanische Computer Science
Net (CSNET) anzubinden.

Das von der National Science Foundation (NSF) geförderte CSNET hatte zum
Ziel, über das militärisch finanzierte und damit stark eingeschränkte
ARPANET hinaus, die Wissenschaftskommunikation national und international
zu erleichtern oder überhaupt zu ermöglichen. Es war das erste System,
dass die Kommunikationsprotokolle nutze, die denen des Internet
entsprachen. Dank des Erfolges von CSNET wurden die weiteren Schritte zum
NSFNET getan, das einige Jahre später das Rückgrat des Internets wurde.
Daher spricht man auch vom CSNET als erstem „Internet“ und von der „erste
deutschen Internet E-Mail“, um sie von anderen elektronischen
Kommunikationsnetzen damals abzugrenzen, deren Entwicklung jedoch nicht
zum Internet führten.

Zum genauen Zeitpunkt der Übermittlung gab es in der Vergangenheit
Missverständnisse: Laura Breeden versendete die E-Mail am 2. August um
12:35 Uhr US-amerikanischer Zeit. Sie wurde an den Server CSNET-SH
weitergeleitet und landete schließlich im sogenannten CSNET-Relay, in dem
die Mails zunächst gesammelt und von Karlsruhe aus abgeholt werden
mussten. Deshalb trägt die erste E-Mail in Karlsruhe das Datum des
Folgetags und die Uhrzeit 10:14 Uhr.

Weiterführende Informationen zur Geschichte der ersten E-Mail:
<www.informatik.kit.edu/ersteEmail>

Europäische Mitschuld

Posted by Günter K.V. Vetter on 27/07/14

Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe, auch nach der Flugzeug-Tragödie nicht. Wie kann das sein? Immer wieder ist in der europäischen, besonders der deutschen Debatte zu hören, die EU und die USA trügen eine entscheidende Mitschuld an der Eskalation. Der Westen bedrohe Russland, kreise das Land ein und wolle sich die Ukraine einverleiben. Dies aber ist der Grundirrtum einer mitunter gespenstischen Diskussion. Die EU hat in den vergangenen 25 Jahren wenig Interesse daran gezeigt, die Ukraine oder auch Georgien und Moldawien eng an sich zu binden. Als strategischer Partner galt stets Russland. Brüssel hat 2004, im Jahr der EU-Osterweiterung, panikartig auf die prowestliche Kiewer Revolution in Orange reagiert. “Bloß keine neuen Beitrittskandidaten!”, lautete die Devise. Die oft beschworenen Assoziierungsabkommen mit postsowjetischen Staaten waren eine Verlegenheitslösung. Kremlchef Wladimir Putin seinerseits hat in seinen ersten Amtszeiten bis 2008 stets betont, er habe nichts gegen einen EU-Beitritt der Ukraine einzuwenden. Allein in der Nato sah er den Dämon. Man kann das verstehen. Allerdings war das Nato-Thema 2013, am Vorabend der Ukraine-Krise, vom Tisch. Deutschland und Frankreich stoppten nach dem Georgien-Krieg 2008 alle Ambitionen der Nato im Osten. Der neue US-Präsident Barack Obama stampfte die Pläne für eine Raketenabwehr in Polen und Tschechien ein. Putin jedoch fuhr 2012 im Zuge seiner Rückkehr ins Präsidentenamt der Schreck in die Glieder, als in Moskau Zehntausende gegen seinen autoritären Herrschaftsanspruch demonstrierten. Kurz zuvor hatte der arabische Frühling zahlreiche Regime ähnlicher Machart hinweggefegt. In dieser Lage war es nicht der Westen, sondern der prorussische ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch, der 2013 mit hoher Energie auf den Abschluss des Abkommens mit der EU drängte. Als Putin merkte, dass sein kleptokratischer Kumpel in Kiew nach Westen steuerte, zog er die Notbremse. Er drohte mit Wirtschaftskrieg und erpresste Janukowitsch persönlich. Das Assoziierungsabkommen scheiterte. Die Maidan-Revolution brach los, weil die Menschen in der Ukraine genug von Korruption und Willkürherrschaft hatten. Sie strebten aus Eigenantrieb einer EU zu, die sie gar nicht haben wollte. So gesehen ist die Ukraine-Krise die Folge eines gigantischen Missverständnisses.

Wirtschaftssanktionen durch Europa?

Posted by Günter K.V. Vetter on 26/07/14

Es ist richtig, dass sich die Regierungen der EU grundsätzlich auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt haben; dass sie dem Land, das den Krieg in der Ostukraine befeuert, Zugang zu europäischen Finanzmärkten erschweren. Und, dass künftig keine Waffen und andere Kriegsgeräte aus der EU nach Russland verkauft werden dürfen.

Dieser Schritt war überfällig. Die EU hat sich in letzter Zeit mit ihrer Salami-Taktik sanfter Sanktionen gegen Russland unglaubwürdig gemacht. Es reicht einfach nicht aus, dass EU-Politiker debattieren, sich vertagen, wieder debattieren, um dann nichts Konkretes zu entscheiden. Es reicht auch nicht aus, dass EU-Politiker Sanktionslisten gegen einzelne Personen, die sie für den Krieg in der Ostukraine verantwortlich machen, aufstellen und immer wieder verlängern und nur einzelne Unternehmen auf die schwarze Liste setzen, die in Russland eher unbedeutend sind und der Regierung in Moskau deshalb nicht wehtun.

All das machte deutlich, dass politische Ziele der EU und wirtschaftliche Interessen der Einzelstaaten bislang total quer lagen. Das funktioniert auf Dauer nicht. Die EU hat sich entschieden, in diesem Fall eher eine politische Einheit als ein Wirtschaftsverbund zu sein. So richtig die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland sind, ärgerlich ist, dass sie nur für neue Verträge gelten und nicht für Waren, für die bereits Lieferverträge unterschrieben wurden. Juristisch mag das richtig sein, moralisch deshalb aber noch lange nicht. Dadurch können die Franzosen nun trotzdem ihre zwei Kriegsschiffe in aller Seelenruhe fertigbauen und an die Russen ausliefern – Krieg in der Ostukraine hin oder her.

Auch die Briten können zunächst aufatmen: Premierminister Cameron hatte ja am lautesten nach harten Wirtschaftsstrafen für Russland geschrien. Der internationale Finanzplatz London, wo auch Russen viel Geld im Spiel haben, ist erst einmal vor großen Schrammen geschützt.

Nach monatelangen Wattesanktionen haben sich die Europäer nun also zu einer härteren Gangart gegenüber Russland durchgerungen, um zu erzwingen, dass die russische Regierung endlich aufhört, die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen und um die Machthaber in Moskau dort zu packen, wo es richtig wehtut, beim großen Geld.

Schön ist anders, diplomatisch auch, aber es ist ein notwendiger Schritt, den die Russen hoffentlich als Ausrufezeichen verstehen.

Gebietsreformen in weiteren EU-Ländern!

Posted by Günter K.V. Vetter on 25/07/14

Eine Gebietsreform stößt immer auf schwierige Hindernisse, vor allem in einem Land wie Frankreich mit einem starken öffentlichen Sektor. Bei der Verringerung der Zahl der Regionen von 22 auf 13 musste der sozialistische Premier Manuel Valls nicht nur gegen die Opposition der Rechten und der radikalen Linken ankämpfen, sondern auch gegen Barone in der eigenen Partei. Mit dem von Präsident François Hollande entworfenen Programm will Frankreich der EU zeigen, dass es zu strukturellen Reformen in der Lage ist. Paris will damit zwölf Milliarden Euro im Jahr einsparen. Doppelarbeit verschiedener staatlicher Institutionen soll abgebaut werden. Die Reform kann für Länder wie Spanien oder auch die gesamte EU eine wertvolle Lehre sein.

Lettland für die EU

Posted by Günter K.V. Vetter on 25/07/14

Selbst vom engen nationalen Standpunkt Lettlands aus betrachtet, ist das grüne Licht für Litauen noch wichtiger als die Verteilung der Posten in der EU-Kommission, da gemeinsame baltische Interessen leichter zu verteidigen sind, wenn Estland, Lettland und Litauen denselben Grad an Integration erreicht haben. Dies ermöglicht den Vertretern der baltischen Staaten Einfluss auf wichtige Entscheidungen zu nehmen und mit einer Stimme zu sprechen – zum Beispiel am Konferenztisch der Eurogruppe.

Symbole der Europäer

Posted by Günter K.V. Vetter on 24/07/14

… Dass der, der im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte, ist eine Binsenweisheit. Der britische Premier Cameron erfuhr heute, dass beim Thema EU-Sanktionen gegen Russland schon Steinchen ausreichen könne, um das eigene Heim zu beschädigen… Es zählt das Symbol, und hier hat sich Cameron zu weit aus dem Fenster gelehnt oder, um im Bild zu bleiben, er hat zu einem reichlich großen Stein gegriffen, um ihn in Richtung Frankreich zu schleudern. Denn Paris war gemeint, als Cameron im Unterhaus von allen Europäern einen Rüstungsexportstopp gegenüber Russland forderte.

Schon länger ist London ein Dorn im Auge, dass Präsident Hollande an einem französischen Milliardengeschäft mit Hubschrauberträgern festhält. Dieses Geschäft übersteigt die gesamten britischen Rüstungsexporte nach Moskau fast um das Zehnfache. Es ist zudem rüstungsstrategisch bedeutsam und spielt deshalb in einer viel höheren Liga als britische Gewehre oder Schutzwesten. Kritik an einem Deal dieser Art inmitten der Ukraine-Krise erscheint angemessen. Schon länger profiliert sich der britische Premierminister innenpolitisch als Kämpfer für einen harten Sanktionskurs gegen Moskau. Doch seine angestrebte moralische Vorreiterrolle hat er verspielt…

Wenn französische Politiker von eigenen Rüstungsgeschäften ablenken wollen, verweisen sie immer auf den britischen Finanzsektor, auf dem russische Oligarchen nach wie vor Milliardenbeträge umsetzen. Das ist seit Monaten die argumentative Schwäche in der britischen Sanktionsrhetorik. Doch wenigstens den Vorwurf der Heuchelei beim Thema hätte sich Cameron durch eine bescheidenere Wortwahl ersparen können. Stattdessen hat sein Steinwurf in Richtung Frankreich ihm in Großbritannien einen Scherbenhaufen beschert.

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